06.01.04

Magdi Aboul-Kheir

Lamatrekking im Erzgebirge mit Himpel und Pimpel

Britney-Celine hat ein paar großartige Tarifangebote bekommen. Kürzlich ist sie in eine neue Wohnung gezogen und hat sofort an die neue Adresse Post von der Telekom bekommen. Britney-Celine, die sehr geehrte Kundin, ist zwar erst drei Wochen alt und nicht einmal im Besitz eines Babyphons, aber egal, außerdem ist sie bereits daran gewöhnt, von der Wirtschaft umworben und umschmeichelt zu werden.

Kiloweise werden Britney-Celine und ihre Eltern mit pädagogisch wertvollen und höchst kindgerechten Schnäppchenangeboten versorgt. Da grüßt die Si-Sa-Singemaus, und schon entdecken und erlernen wir tönend die Welt, zum Beispiel »Wickeln leicht gemacht« mit dem Gassenhauer »Himpel und Pimpel«. Die Gratis-CD »Milumil-Schlaflied-Hitparade« macht die Entscheidung »Kaufen oder in den Müll damit?« noch leichter.

Ebenso unwiderstehlich ist das »Goldfüßchen-Bastelset« zur originalgetreuen Reproduktion eines Babyfußes – wie uns versichert wird, ein Werk von höchster Qualität und »bleibender Anmut«. Mit einer Technik, die »die kleinen Lebenslinien und Fältchen interessant hervorhebt«. Das wird nur noch übertroffen vom edlen Geburtsteller aus Zinn. Meisterhafte Reliefprägung nach altem Motiv, made in Bavaria. Familiengeschichte, unauslöschlich eingraviert oder von Meisterhand auf feines Porzellan gemalt. Wer vier Teller nimmt, zahlt nur 29 Euro pro Stück. Wer keinen Teller nimmt, dem entgeht die »Freude, die man sich heute schon mit diesem kostbaren Schmuckstück selbst bereitet« und die »Gewissheit, dass ein solches Dokument die Zeiten überdauert«. Das kann man ja nicht nicht haben wollen.

Aber gleich weiter und willkommen im »Pips-Club«! Mit einem gewissen Abnahmezwang kann man ja gar nicht zu früh beginnen, am besten schon mit einem Monat. Es freuen sich Pips, das kleine Eichhörnchen, Pito, das Hündchen, Boris, das Bärenkind und »viele andere neue Freunde«. Zum ankreuzen: »Ja, ich melde mein Kind im Pips-Club an«. Die rein formell notwendige Alternative »Nein, leckt mich am Arsch« haben die Pips-Club-Macher allerdings vergessen.

So viele schöne Sachen und, man glaubt es nicht, so viele davon auch noch umsonst. Zum Beispiel den Otto Katalog, nein gleich zwei Otto-Kataloge, »einer für meine Mutti und einer für mich«, dazu viele wunderbare Werbepräsente wie das »persönliche Pampers T-Shirt für Ihr Baby«.

Zähne sind zwar noch nicht in Sicht, macht aber nichts, auf die Kleine warten schon die lustigen Rezepte vom lustigen Käpt'n Iglu für lustige Strandpiraten und Hosenscheißer, etwa »Mampfi«, die Mozzarella-Raupe, der tolle Knusper-Dino und die Schatzinsel für den großen Piratenhunger mit lecker Tiefkühl-Brokkoli und superlecker Instant-Gemüsebrühe.

So ein junges Leben voller Luxus ist freilich anstrengend. Ein Glück, dass es Babyurlaub bereits ab dem siebten Lebenstag gibt. Maßgeschneiderte Erholung mit Schmankerln wie »Freds Swim-Academy«, »Hokus-Pokus-Zauberschule« und »Smileyplexx-Kino«. Oder gleich den Familienurlaub in Sachsen buchen, mit Knüllern wie »Lamatrekking im Erzgebirge«.

Britney-Celine kann es kaum erwarten.

Diese Kolumne finden Sie auch in Magdi Aboul-Kheirs Buch »Papa fertig!« – zusammen mit einer großen Auswahl der beliebtesten Kolumnen (in neuen, teils stark erweiterten Fassungen), aber auch etlichen neuen Texten.