14.03.19

Magdi Aboul-Kheir

Meine schöne neue Freundin LolaBrianne aus Harvard

Um eines vorneweg klarzustellen: Ich bin nicht überrascht, wenn leichtbekleidete, rund 30 Jahre jüngere Frauen meine Bekanntschaft machen wollen. Dennoch deucht mir, dass solche Kontaktaufnahmen in jüngster Zeit häufiger geworden sind.

So ein knappes Dutzend mehr oder minder nackter Frauen, die mich jede Woche kennenlernen möchten — das war, ich räume es ehrlich ein, nicht immer so. Vielleicht fast, aber nicht ganz. Und ich muss mein Ego schon sehr unter Kontrolle halten, damit mir das nicht zu Kopf steigt.

Aber klar, ich weiß, dass Männer im Laufe der Zeit immer attraktiver werden: Wir bekommen charaktervolle Falten, das Haar wird reizvoll grauer und dünner, wodurch es den markanten Schädel schelmisch durchscheinen lässt, wenn es ohnehin nicht schon einer knackigen Glatze gewichen ist; und in Sachen Körper und Figur steht man immer mehr zu weicheren Konturen und einer Art Normalgewicht. Ja, wenn man da als Mann in den besten Jahren so ganz souverän bei sich selbst angekommen ist, das muss ungemein attraktiv wirken. Selbst mein Facebook-Profil scheint allein schon unwiderstehlich zu sein.

Warum sollte zum Beispiel sonst Nandi Alhikmah meine Nähe suchen? Sie ist turboblond, hat leuchtende Rehaugen und beschreibt sich in neckischem Deutsch: »Ich habe schöne große Brüste von rosa Brustwarzen und eine schöne vaginale Öffnung, bitte sehen.« Ich mag das zwar erstmal nicht danke sehen, weil ich es ein wenig arg direkt finde — aber da muss man sehr stark sein, zumal sie in ihrem Profilbild auch mehr als ihr Profil zeigt.

Kurz darauf erreichen mich die Zeilen von JuHee Mars'Oi : »Ich habe große Brüste von meinem Körper und eine glatte Vagina.« Da denkt man sich: Das ist ja lustig, die haben wohl den gleichen Deutschlehrer! Wobei sich manche der Frauen auch gern auf Englisch mit mir austauschen möchten, zum Beispiel LolaBrianne Carolyn, die auf Spiel und Spaß steht: »Want to play with my boobs?« Sie hat übrigens in Harvard studiert, wahrscheinlich Medizin. Interessante Namen haben diese Frauen zudem! JuHee Mars'Oi und LolaBrianne Carolyn, oder auch Dicky P'ea, Aurelia Justina Oviedo und Chelsie Dugan, die heißen fast wie Stars aus Erwachsenenfilmen, aber das ist bestimmt Zufall.

Ach, ist es nicht herrlich, wer und was sich hinter dem sperrig anmutenden Wort »Freundschaftsanfrage« alles verbirgt? Zum Beispiel Ubaid Khoiri. Die junge Frau hat, ihren Bildern nach zu urteilen, Gymnastik als Hobby und lebt offenbar in einem heißen Land oder hat kein Geld für Kleidung. Zwar zeigt mir eine rasche Recherche, dass der Name Ubaid aus Indien oder Pakistan stammt, und danach sieht die Blondine eigentlich nicht aus; außerdem ist es ein Jungenname. Aber solches Misstrauen würde doch gleich die zarte Pflanze Sinnlichkeit zum Verblühen bringen.

Natürlich kann man zuweilen lesen, dass es sich bei diesen Facebook-Ladys um Fake-Profile oder gar Spam handle. Aber hinter dieser haltlosen Warnung dürften Neid und Missgunst stehen. Zumal die jungen Damen ja meist bereits etliche Freunde haben — sollten die etwa alle Betrügerinnen auf den Leim gehen?

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass diese Damen auch sonst fast nur männliche Bekannte haben. Da könnte man fast eifersüchtig werden. Manchmal stellt man auch fest, dass man »gemeinsame Freunde« hat — zum Beispiel ist Nandi Alhikmah mit einem Versicherungsvertreter aus meiner Stadt befreundet, den ich persönlich kenne. Wenn ich ihn das nächste Mal beim Einkaufen treffe, frag ich ihn mal nach ihr. Bestimmt wird er erfreut ausrufen: »Ja klar, meine Freundin Nandi! Sie hat schöne Brüste von rosa Brustwarzen und eine schöne glatte Öffnung!« Und dann gehen wir zusammen ein paar schöne Klamotten für sie kaufen.


Dies ist die Druckversion von kolumnen.de/kolumnen/aboul/aboul-140319.html

(In der Druckversion werden Extras wie die Formulare oder Links zu verwandten Kolumnen, Hörfassungen und Übersetzungen ausgeblendet.)

Alle Kolumnen von Magdi Aboul-Kheir finden Sie hier: kolumnen.de/aboul.html