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18.11.09

Magdi Aboul-Kheir

Frau Professor, Frau Professor, ich mag meinen Potenz-Kaugummi nicht

Deutschland ist am Ende. Selbst die akademische Elite hat keine andere Wahl mehr, als ihr täglich Brot mit Zusatzverdiensten zu buttern. Richtig schwer fällt das unseren universitären Spitzenkräften natürlich nicht: Sie können einfach mit ihrem guten Namen für seriöse Produkte eintreten.

So habe ich Post von Dr. Prof. Helena Schulze und Dr. Prof. Sonja Dietrich erhalten. Anscheinend handelt es sich um Pharmazie- oder Biochemie-Koryphäen, denn Prof. Schulze teilt mir mit: »Bei uns auf gibt es pflanzliche Potenz Mittel und die blaeulichen Pillen.« Und Prof. Dietrich ergänzt in einer weiteren Mail: »Es verkleinert die Zeit bis zur sexuelen Aktivitaet.« Sicher ist also, dass es sich um keine Germanistinnen handelt.

Nun erwarte ich von Wissenschaftlerinnen auch Fakten und Zahlen. Siehe da, offenbar wurden die blaeulichen Pillen in Studien getestet. Das Ergebnis laut Prof. Dietrich: »Die Kraft der Latte ist dadurch 4-5 mal haerter.« Während Prof. Schulze ähnliche, aber doch nicht identische Resultate vorlegt: »Die Steigerung der Latte ist da durch 3-5 mal besser.«

Aufgrund der Terminologie, die wenig an seriöse Studien erinnert (»Kraft der Latte«), der vagen statistischen Werte (»3-5«), der unkonventionellen akademischen Anrede (»Dr. Prof.« statt »Prof. Dr.«) und der komplett fehlenden Hinweise auf die Methodik kommen mir doch leichte Zweifel: Auf welcher Hochschule lehren und forschen diese Gelehrten – könnte sich um die International University of Spam handeln?

Die abschließenden Grüße der Professorinnen bestätigen meinen Verdacht. »Kauffen sie direkt und vergessen sie ihre Erlebnisse und befriedigen Sie Ihre Frau richtig hart«, fordert mich Prof. Schulze unverhohlen auf. Und Prof. Dietrich geht mich noch plumper an: »Bestellen Sie heute und geben es Ihrer Frau richtig geil.« Drücken sich deutsche Lehrstuhlinhaberinnen heute so aus?

Ein Link führt mich von den Professorinnen-Mails zu einer Internet-Seite mit dem Motto: »Ich komm' heute später, Schatz«. Dort werden mir neben allerlei Sex-Pillen Schlankheitsmittel angepriesen, die wie chinesische Kleinwagen heißen (»Daidaihua«), es gibt sogar einen »pflanzlichen Abnehmkaffee«, wohl für diejenigen, die nicht alle Tassen im Schrank haben. Auch eine Brustvergrößerungs-Creme ist im Angebot, doch was passiert, wenn diese gemeinsam mit Abnehmkaffee angewendet wird? Da antwortet keine Professorin. Dafür lobt eine gewisse Beatrix aus Bochum die Creme: »Die täglichen Massagen tun sehr gut. Zum größten Teil übernimmt mein Mann diese. Er hat daran großen Spaß.«

Fragen wirft auch das »Potenz Kaugummi« auf: Versteift sich dann die Zunge? Und ein Produkt namens »Weekend Prince« sorgt gar für fünffach stärkere Erektionen – hält das die Zunge überhaupt aus? Bitte, Frau Professor!

Doch die kümmert sich lieber um eine Feuchtwerd- und Orgasmushilfe: »Beauty Angel« enthält laut »medizinischer Information« Krokus und Kleeauszug – da kann man sich doch auch einfach auf die Wiese legen. Am besten im Regen. Dann wird man garantiert feucht. Oder ist das jetzt zu laienhaft gedacht? Andrea aus Heilbronn hat das Präparat auf jeden Fall getestet, auch wenn sie keine Professorin ist: »Ich hätte nicht gedacht, dass ein einziger Kaugummi mir einmal so viel Spaß bringen würde.« Und Maria aus Mettmann beschreibt die Wirksamkeit so: »Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.« Das wird den Hersteller und die Professorinnen freuen. Ich aber habe den Glauben an die Wissenschaft verloren.



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Magdi Aboul-Kheir

Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er [..]

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