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19.02.14

Magdi Aboul-Kheir

Zombies haben das Gehirn meiner Frau gefressen

»Und ich heirate!«, rief Oma früher aus und hatte prompt ein Hochzeitskleid an. Allerdings nur die Oma in der 70er-Jahre-Fernsehwerbung für das »Spiel des Lebens«. In Wirklichkeit heiratete dann später immer nur Opa, aber das ist eine andere Geschichte.

Diese Geschichte hier dreht sich um den Einfluss von Spielen auf unsere Leben. Hallten früher nur Ausrufe wie »Mist, Schlossallee!«, »Kniffel!« oder »Mensch, ärgere dich nicht!« durch die guten Stuben, ist im Computerzeitalter alles anders geworden.

»Ich nehm die Pyramide der Verdammnis!«
»Gib acht, der blöde Erbsenwerfer schießt nur bis zu dem Grabstein!«
»Der Riese haut dich mit seinem Sarkopharg weg!«
»Verdammt, gleich bin ich kaputt!«

Ich selbst habe größtes Verständnis für den Einfluss von Computerspielen, für die Verführungskraft von Super Mario, Pac-Man, Donkey Kong und ihren Nachfahren. Für schwabbelige Menschen, die in ihrem Wohnzimmer im weißen Jogginganzug vor dem Fernseher stehen und auf ihrer Wii Wimbledon gewinnen. Für unbescholtene Bürger, die in »Grand Theft Auto« eine Kriminellenkarriere hinlegen, wie sie im Gesetzbuche steht.

»Du brauchst noch Kartoffelminen!«
»Ha, mit dem Eisbergsalat frier ich die Zombies ein!«
»Und stell eine Erbsenkanone auf. Die kann in beide Richtungen ballern!«
»Schau mal, wie der seinen Kopf verliert! Und schon bist du Matsch!«

Ich selbst habe früher nächtelang »Sim City«-Städte gebaut: etwa Köln am Nil, wo Pyramiden neben dem Dom standen; oder Stuttgart 22 mit Atomkraftwerk im Schlosspark. Und genau daher hätte ich es besser wissen müssen. Bevor ich ein iPad kaufte.

»Dünger an die Doppelsonnenblume!«
»Stell noch ein Kohlapult auf!«
»Der Melonenwerfer ist ziemlich effektiv!«
»Da kommt ein fieser Gräberbauer, die Sau. Ich brauche einen Gräberfresser!«

Es ist das Spiel »Pflanzen gegen Zombies 2«, das auf meine Frau und Töchter einen magischen Einfluss ausübt. Ein äußerst realitätsnahes Spiel voller alltäglicher Situationen. Ziel ist es, ich zitiere Wikipedia, »das eigene Haus (am linken Bildschirmrand) gegen eine Horde von rechts kommender Zombies zu verteidigen, indem man in Vorgarten, Hinterhof und auf dem Dach eine Verteidigung aus unterschiedlich wehrhaften Pflanzen und Pilzen errichtet, die anschließend die angreifenden Gegner attackieren.« Es gibt diverse Level und Welten wie Altes Ägypten, Piraten oder Wilder Westen, und wenn man der Zombies nicht Herr wird und verliert, heißt es nicht »Game Over«, sondern »Zombies haben dein Gehirn verputzt«.

Seitdem sitzen die drei Frauen meines Haushalts mit dem iPad auf dem Sofa und führen Gespräche von großer Eigenart.

»Kauf noch eine Kokosnusskanone«
»Aber die kostet doch 300 Sonnen!«
»Der Pak Choi kann in alle Richtungen boxen. Und er macht die Gräber kaputt.«
»Ha, endlich hab ich Spezialdünger!«

»Morgen ist Elternabend«, informiere ich meine Frau.
»Hm.«
»Was essen wir heute? Pak Choi?«
»Hm«
»Und sonst so?«
»Verdammt« schreit sie.
»Was ist?«
»Zombies haben mein Gehirn gefressen«, ruft sie.
»Ja, ich weiß«, sage ich.



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Magdi Aboul-Kheir

Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er [..]

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