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25.07.09

Magdi Aboul-Kheir

Wie ich einmal Boxweltmeister wurde

Dies ist die Geschichte meines sportlichen Aufstiegs an die absolute Spitze, die Chronologie meines Triumphs als Kampfsportler. Es ist wirklich wahr: Ich war einmal Boxweltmeister.

Das Protzen mit sportlichen Großtaten liegt mir fern. Ich war immer ein Hänfling, eine Bücherratte, ein Klavierspieler. Als Jugendlicher kickte ich wie viele andere bestenfalls blutgrätschend in Hobbymannschaften, und nach einem Bänderriss erfand ich einmal einen Sport namens Krückockey, in dem ich sehr gut war, bis ich mich dabei auch noch am anderen Bein verletzte.

Nun gut, als Skifahrer führte ich den Titel des ägyptischen Vizechampions im Riesenslalom. Den hatte ich mir freilich aus Mangel an ägyptischen Skimeisterschaften quasi wettbewerbslos und ehrenhalber selbst zugeschrieben. Meine größte Stunde aber schlug als Boxer – und das, obwohl ich diesen Sport zuvor nie aktiv betrieben habe. Man könnte von einem Naturtalent sprechen.

Wir schreiben das Jahr 1989. Es war die Zeit von Box-Helden wie Virgil Hill und Sugar Ray Leonard, Mike Tyson und Henry Maske. Die Zahl der Weltmeister war Legion: eine Folge der 17 Gewichtsklassen und der vielen konkurrierenden Boxverbände. Da waren die vier großen Organisationen WBA, WBC, IBF und WBO, darüber hinaus gab es die IBO, WBU, IBA, IBU. Und viele mehr. Wer sollte da die Legitimation des MHRBF in Frage stellen?

Das war nämlich »Magdis, Horsts und Rudis Box-Föderation«, die ich mit meinen Kumpeln Horst und Rudi in einer Kneipe gründete. Es ging auch gleich richtig zur Sache. Ich nannte mich »Half-Egyptian Bonebreaker«, Horst stellte sich – freilich nach längerem Zögern und ohne wahre Überzeugung – als »Swabian Stallion« vor, und Rudi zog, noch bevor er einen passenden Kampfnamen gefunden hatte, aufgrund einer plötzlich aufgetretenen Kartenspielverletzung sofort zurück.

Und so kam es, dass ich aus einer raffinierten taktischen Überlegung heraus sofort den schwäbischen Hengst Horst aufforderte, gegen mich um den Weltmeistertitel im Mittelgewicht nach Version der MHRBF zu kämpfen. Natürlich war ich weder boxerfahren noch schlagkräftig, aber ich zählte darauf, dass Horst noch weniger kampfeslustig war; außerdem saßen wir ja in einer Kneipe, und es war schon spät.

»Ich hau dich!«, sagte ich, alles auf eine Karte setzend, zu Horst.
»Hab keine Lust«, erwiderte der feige.
»Ich hau dich!«, legte ich nach.
»Lass bleiben.«
»Gibt‘s du auf?«, forcierte ich.
Horst seufzte: »Meinetwegen.«
Worauf Ringrichter Rudi mich zum Weltmeister durch technischen K.o. vor der ersten Runde erklärte. Dann bestellten wir noch drei Bier.

Zum Rückkampf ist es nie gekommen. Horst war dann offenbar zufrieden, sich künftig Vize-Champion zu nennen, und so habe ich schließlich gegen drei Uhr morgens meine Karriere wieder beendet. Als Boxweltmeister. Im wahrsten Sinne des Wortes ungeschlagen.



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Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er [..]

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