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08.01.06

Stefan Arenz

Feuer unterm Hintern!

Derzeit lassen sich erstaunlich viele Möglichkeiten ausmachen, rasch und ohne großen Aufwand jede Menge Geld zu scheffeln, doch seltsamerweise nutzen nur wenige diese Möglichkeiten aus. Im Folgenden haben wir daher einige Vorschläge für Interessierte zusammengestellt. Allerdings sollten Sie nicht allzu empfindlich sein und imstande, die bekanntlich willkürlich gesetzten Grenzen des guten Geschmacks bei Bedarf großzügig zu überschreiten.

a) Sie komponieren Klingeltöne.

Harmlose Beschäftigung. Sie müssen sich dafür lediglich die Noten irgendeines Klassikers besorgen und die ersten zehn Sekunden in ein billiges Programm für ihren PC eintippen. Schon ist der kleine Jingle fertig. Millionen glücklicher Kinder werden ihnen dankbar jeweils mindestens 50 Cent für den Quatsch bezahlen. Vorteil: kaum Arbeit, dafür aber immense Gewinne. Nachteil: Sie müssen eine Kooperation mit Viva eingehen, dem ehemaligen Musikvideo- und jetzigen Klingelton-Sender. Im Internet werden Hassseiten über Sie entstehen. Aber was erträgt man nicht alles als Millionär.

b) Sie veranstalten Fernseh-Gewinnspiele.

Gründen Sie einen eigenen kleinen Fernsehsender, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als zwei Fotos von Cora Schumacher zu zeigen, auf welchen sich die Brustwarzen der werten Dame durch das Oberteil abzeichnen, während Ihre Freundin / Frau / Nachbarin dazu unentwegt in die Kamera kreischt: »Rufen Sie an, kommen Sie schon, na los, der Buzzer sucht und sucht und sucht, rufen Sie schon an, was ist denn los, sieht denn keiner den Fehler im rechten Bild, oha, da ist schon der Trommelwirbel, hören Sie's?, die Sendung ist gleich vorbei, denn gleich ist es elf Minuten vor fünf, Achtung, ich zähle mit, zehn, neun, acht, sieben ...« Vorteil: Sie müssen nichts anderes tun, als neben dem Telefon zu sitzen und grinsend zu beobachten, wie Sie mit jedem Anruf irgendwelcher armen Schweine richtig dick Kohle verdienen. Nachteil: Geringe Investitionskosten für den Aufbau des Fernsehstudios in Ihrem Wohnzimmer. Einmal pro Woche müssen Sie sich zudem ein kleines Zahlenrätsel ausdenken, wofür es mindestens zehn verschiedene Lösungsmöglichkeiten geben sollte (Lautet die Aufgabe etwa, alle Zahlen in dem Satz »Christian ist ein Schwein« zusammenzurechnen, so kommen folgende Lösungen in Betracht: 0, weil keine Zahl vorhanden ist; 1, weil »ein« Schwein; 2, weil »ein« Schwein plus »einS«chwein; 100, weil römisch »C« gleich hundert usw. Ganz einfach!).

c) Sie steigen bei GASPROM ein.

Das ist nicht ganz einfach, doch als Lohn lockt ein attraktiver Job mit Traumgehältern. Vorteil: Der Kreml ist nahe und Sie können lustige Verhandlungen mit Bedarfsstaaten führen oder diesen bei Gelegenheit das Gas ganz abstellen. Nachteil: Sie müssen zunächst Bundeskanzler werden und Putin zu ihrem Freund erklären, der »ganz dolle mit Menschenrechten« kann. Beste Chancen für den Posten eines Bundeskanzlers haben derzeit übrigens die Damen, möglichst mit ostdeutscher Vergangenheit.

d) Sie gründen eine Hilfsorganisation.

Denken Sie sich einen wohlklingenden Namen aus: »Love Aid«, »Life Benefit« oder ähnliches. Sie müssen nichts Großartiges unterstützen, ein kleines, attraktives Dorf irgendwo in Afrika, dem Sie geringe Beträge zukommen lassen, reicht völlig aus. Schicken Sie ein Kamerateam von RTL2 auf eigene Kosten dorthin, um filmen zu lassen, wie die glücklichen und dankbaren Dorfbewohner eine neue Schule von ihrem Geld bauen. Anschließend wird der Rubel schon rollen. Andererseits gibt es so viele Hilfsorganisationen wie Sand am Meer. Achten Sie also auf etwaige Naturkatastrophen (Flutwellen, Hurrikans, Erdbeben und so weiter). Jetzt lohnt sich eine Kooperation mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Die Deutschen spenden besonders üppig, wenn das Zweite mit Bildern weinender Kinder (woher auch immer) auf die Tränendrüse drückt, erkundigen sich hinterher aber selten, was eigentlich mit ihren gespendeten dreihundert Euro passiert ist. Vorsicht: Katastrophen in den USA bringen wenige deutsche Spenden ein, weil die bösen Amis ja erstens im Irak und zweitens allesamt stinkereich sind und sich daher gefälligst selbst helfen sollen. - Vorteil: Geld ohne Ende. Nachteil: Völlige Legalität werden Sie nicht erreichen. Auch könnten bei zartbesaiteten Gemütern Gewissensbisse entstehen. Trösten Sie sich damit, dass Sie das Geld wenigstens sinnvoll verprassen, während andere Gelder oder Schuldenerlasse zur gleichen Zeit nur dazu dienen, den afrikanischen Kontinent klein zu halten, damit er nicht auf eigene Füße kommt.

e) Sie lassen sich entführen.

Das ist vielleicht nicht ganz politisch korrekt, dafür aber ausgesprochen ergiebig. Zutaten: Eine Augenbinde, eine billige Kamera, ein Flugticket in den Irak (Iran / Jemen / sonstiges Krisengebiet), sowie zwei gute Freunde, die - martialisch vermummt und bewaffnet - zusammen mit Ihnen im Keller vor der Kamera posieren, denn natürlich wollen Sie sich nicht wirklich entführen lassen. Wichtig: Nach Ihrer »Befreiung« müssen Sie unbedingt ein Interview geben, in dem Sie Ihre Entführer loben, weil die so nett zu Ihnen waren und überhaupt nicht kriminell, sonst kauft Ihnen niemand ab, dass Sie tatsächlich entführt wurden. Das Stockholm-Syndrom in verschärfter Variante wird von einem Deutschen einfach erwartet. Vorteil: Völlig risikolos! Nach unkomplizierten Verhandlungen mit dem deutschen Krisenstab in angenehmer Atmosphäre werden unbürokratisch Millionenzahlungen vorgenommen, wohingegen Sie im Inland mit einer ähnlichen Aktion kaum Erfolgsaussichten hätten, denn bekanntlich lässt sich der Staat nicht erpressen, siehe Schleyer. Nachteil: Sie müssen sich nach erfolgter »Befreiung« von der deutschen »Wird sie geköpft?«-Presse feiern lassen, sonst kassieren Sie gehörige Medienschelte. Merke: Niemals vermummt Interviews geben!


Verstehen Sie diese Vorschläge bitte nur als Anregung! Es gibt noch so viele andere Möglichkeiten. So könnten Sie (falls Sie sich dafür nicht zu schade sind) auch B- oder C-Prominenter werden, indem Sie sich eine Zeitlang in einen Container einsperren lassen und konsequent nackt duschen oder indem Sie bei einem Vorsingwettbewerb mitmachen und durch möglichst schräge Einlagen auffallen. Seien Sie kreativ! Packen Sie es an! Sie wissen ja: Ihr Wille ist wie Feuer unterm Hintern, er lässt Ihren Lieblingsstürmer schneller laufen und Schumi schneller fahren! Egal, wo Sie arbeiten. Egal, welche Position Sie haben. Sie halten den Laden zusammen! Sie sind der Laden.
Sie sind Deutschland.



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Foto: Stefan Arenz

Stefan Arenz

1978 geboren, aufgewachsen in Eschwege (harmlose Kleinstadt im nordhessischen Nirgendwo) und zur Schule gegangen, ist Stefan Arenz der Exot unter den Kolumnisten, denn er ist Jurist. Also total [..]

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