Jetzt wissen wir es endlich. Urlaub macht blöd. Schwarz auf weiß stand es in meiner Tageszeitung, der allseits beliebten Hässlich Niederträchtigen Allgemeinen (HNA), die mich Morgen für Morgen beim Frühstück erheitert – eine Fundgrube für Stilblütensammler und »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod«-Autoren. Aber das nur am Rande. Sinnigerweise stand der Artikel auf der Reiseseite der Wochenendausgabe, der letzten Seite des Teils »Beruf und Karriere«. Nach fünf Tagen süßen Nichtstuns, so steht dort geschrieben, sei der IQ bereits um 5 % gesunken. Geht man nun von einer linearen Entwicklung dieser Tendenz aus, ist man bereits nach drei Monaten Langzeiturlaub auf dem geistigen Niveau einer Amöbe angekommen. (Das steht da nicht, das habe ich ganz alleine ausgerechnet. Und das nach einer Woche Urlaub!) Diesen Schluss zieht der Wissenschaftler aus Untersuchungen an Krankenhauspatienten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie Faulenzerurlauber, so die HNA.
Ja sagen Sie mal, Herr Medizinpsychologe, was machen Sie eigentlich im Urlaub? Betrinken sich am Ballermann bis zur Besinnungslosigkeit und hängen sich dann drei Wochen an den Tropf? Bleiben Sie vier Wochen im Bett liegen, um dann ganz schwer nachzulassen? Oder sitzen im Hotelzimmer und starren stundenlang die weiße Wand an, damit Sie nur ja nicht versehentlich neuen Eindrücke gewinnen?
Man soll das Nichtstun mit Bewegung kombinieren und mit einer geistigen Anforderung, bei der man Vergnügen empfindet. Dazu fallen mir einige Reisen ein, die ich auf dem Beifahrersitz verbrachte, halb verschüttet unter kleinmaßstäblichem Kartenmaterial und ständig der Kritik des Fahrers ausgesetzt, der mit meinen komplexen Anweisungen wie »nächste Straße rechts« nichts anfangen konnte, sondern lieber Anordnungen à la »in 3417 Metern bitte die Fahrtrichtung um 92,4° im Uhrzeigersinn ändern« gehabt hätte. Oder so ähnlich. Gerne verweile ich auch stundenlang vor Busfahrplänen in russischer oder griechischer Sprache oder versuche die zeitlichen Einschränkungen auf amerikanischen Parkplätzen zu verstehen. (Typisches Beispiel: Hier darf man eigentlich nicht parken außer Montags von 8 a.m. bis 10 a.m., es sei denn, der betreffende Montag fällt auf ein ungerades Datum in einer geraden Kalenderwoche wenn in der vorangegangenen Nacht Vollmond war.) In der Tat eine geistige Anforderung, wenn auch mit eingeschränktem Vergnügungswert. Das Parken in den Vereinigten Staaten kann also durchaus dem Erhalt der Intelligenz dienen. Beim letzten Mal musste ich dann 72 US-Dollar berappen, weil ich das Kleingedruckte nicht gelesen hatte. Besonders fördernd für den Erhalt des IQ ist es, in den USA herauszufinden, wohin das Auto abgeschleppt wurde, und wo und zu welchem Preis man es wiederbekommt.
Ein anspruchsvolles Buch soll man lesen, empfiehlt der Wissenschaftler. Kann man das im Krankenhaus nicht?
Eine neue Sprache zu lernen kann durchaus auch im Pflegebereich hilfreich sein, sei es um das tschechische Pflegepersonal zu verstehen, sei es um der türkischen oder russischen Zimmergenossin als Dolmetscherin behilflich zu sein.
»Auch die bewusste, offene und interessierte Auseinandersetzung mit der fremden Umgebung stimuliert das Gehirn und setzt neue Impulse.« Steht da. Also doch nicht vier Wochen Ballermann. Und wenn, dann den Stoff auf Spanisch bestellen. Oder in irgendeiner anderen Fremdsprache, die auf Mallorca keiner versteht.