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14.08.07

Barbara Arnold

Weihnachten beginnt im Juli

Kennen Sie das? Eigentlich wollten Sie nur mal das Sockenfach im Schrank aufräumen, als Ihnen plötzlich kleine, giftgrüne, gekräuselte Streifen in die Hände fallen: Ostergras. Ein Blick auf den Kalender jedoch sowie die Außentemperaturen verraten es Ihnen: Es ist August. Ein Blick an die Wohnungstür Ihrer gut organisierten Nachbarin zeigt Ihnen: Ein wundervoll geflochtener Kranz aus getrockneten Sommerblumen. Auch diese Dame weiß, was der Kalender geschlagen hat.

Ich hingegen weiß es nicht. In meinem Schrank tummelt sich im August das Ostergras; an der Wohnungstür gammelt noch irgendein Halloween-Gebinde vom Vorjahr vor sich hin.

Frohen Mutes begebe ich mich in den Supermarkt, um den Wochenendeinkauf zu erledigen. Grillgut, Salat und Eiscreme stehen – passend zur Jahreszeit – auf meinem Einkaufszettel. Die Auslagen – oder Displays, wie es neudeutsch so schön heißt – belehren mich eines besseren: am Eierstand prangen neben den üblichen Bio-, Freiland-, Korn-, IQ- und sonstigen Eiern bunt gefärbte Ostereier. Nein, seit meinem Ostergrasfund sind nicht etwa Monate, sondern nur Stunden vergangen. Um mich vollends zu verwirren, ist auch noch eine Palette mit Weihnachtsgebäck aufgebaut. Lebkuchen, Spekulatius und Christstollen harren der hungrigen Kundschaft, die nur darauf wartet, am Pool in der Sonne zu braten und sich Zimtsterne in den Hals zu schieben, während auf dem Beistelltischchen die Dominosteine weich werden.

Mühevoll bahne ich mir einen Weg durch kunstvoll aufgestapelte Halloween-Kürbisse. (Der neueste Schrei: dieses Jahr sind die auszuschneidenden Gruselfratzen schon draufgemalt, damit man sich nicht etwa noch einen letzten Rest Kreativität abringen muss. Während ich mich frage, warum der Halloween-Schnickschnack nicht schon im März angeboten wird – im Zeitalter der Gentechnik wird es doch wohl möglich sein, Kürbisse zu züchten, die ein dreiviertel Jahr halten – falle ich in einen Stand mit Luftschlangen, Konfetti und Cowboyhüten. Ich gebe auf. Wir sollten einen Universalfeiertag einführen, der das ganze Jahr hält und so ca. alle zwei Wochen gefeiert wird. Der Tannenbaum wird mit Ostereiern, Kürbislichterketten und Luftschlangen behängt, und schenken kann man sich auch jedes mal was. Das wird dann auch die Wirtschaft ankurbeln.

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