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14.10.08

Barbara Arnold

Schleichende Degradierung oder: Wie lange lebt eigentlich ein Staubsauger?

Kennen Sie das? Eines Tages will der alte Staubsauger einfach nicht mehr. Alt? Wieso eigentlich alt?

Also. Als ich noch im Studentenwohnheim wohnte, aus dem ich vor ca. 20 Jahren ausgezogen bin, hatte ich noch einen so genannten »Handstaubsauger«, den mir meine Eltern vermacht hatten. Dieser begleitete mich auch beim Umzug in die WG, wo er wegen der dort vorherrschenden miesen Reinigungsmoral sehr geschont wurde.

Drei Jahre später zog mein Freund bei mir ein. Die dadurch bedingte Trennung von seinem bisherigen Mitbewohner fügte es, dass dieser uns einen wunderbaren, cremefarbenen (oder soll ich sagen: »beigen«) Bodenstaubsauger vererbte, der damals etwa zwanzig Jahre alt war und von einem renommierten, deutschen Elektrogerätehersteller stammte. Dieses Modell begleitete uns immerhin bis zu unserem nächsten gemeinsamen Umzug sieben Jahre später. Dann war ich der Meinung, ein neues Gerät müsse her, da dieses nicht mehr der Anforderung genügte, haufenweise Katzenhaare weg zu saugen.

Nach ausführlichen Studien einschlägiger Beratungsliteratur entschied ich mich für ein relativ preisgünstiges Modell, das aber einigermaßen gut getestet war, in blitzrot und überhaupt sah er auch viel stärker aus als der alte.

Aber wohin mit diesem? Zum Wegwerfen war er eindeutig zu schade, also fragten wir mal die Schwiegermutter, ob sie ihn haben will. (Vor der Wende wurden solche Dinge gerne an die Verwandtschaft im »Osten« weitergeschenkt, aber die können ja inzwischen beurteilen, wie alt oder neu eine derartige Spende ist, und wehren sich durch entsprechende Gegengeschenke). Die Schwiegermutter hingegen ist hoch erfreut, denn jetzt kann sie endlich ihren Handstaubsauger aus den sechziger Jahren (»Elektrolux«) dem Technikmuseum spenden (oder in den Osten verschenken) und in Zukunft mit dem vergleichsweise modernen Bodenstaubsauger die Wohnung reinigen. Das Erbstück ihrer Eltern, einen echten Rowenta aus den dreißiger Jahren, hatte mein technisch versierter Gemahl leider als irreparabel erklärt.

Ob man es glaubt oder nicht, bereits nach acht Jahren erlitt mein nagelneuer »Roter Blitz« einen Staubinfarkt. Statt gesundem Staubsaugerheulen gab er nur mehr ein unwilliges Brummen von sich. Nach etwa fünf Sekunden, während denen meine Kinder interessiert den aufsteigenden Rauchwölkchen hinterher blickten, gab es einen roten Blitz, als wollte er nachträglich noch seinem Namen alle Ehre machen, danach schwieg er für immer.

Requiescat in pace et lux aeterna luceat ei.

Ich werde mal meine Schwiegermutter fragen, ob sie den beigen AEG noch braucht. Notfalls hat sie sicher noch ihren alten Handstaubsauger.

Illustration von Martin Rathscheck

Illustration von Martin Rathscheck

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