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30.06.06

Barbara Arnold

In Another Country

Wohl wahr. Die ganze Welt ist im Fußballfieber. Oder vielleicht doch nicht die ganze Welt? Vielleicht gibt es, am anderen Ende der Welt, ja noch ein Land, in dem Fußball nicht alles ist.

So reiste denn ein Bekannter von mir zu Beginn der Weltmeisterschaft dienstlich in die USA. Immerhin ein Land mit WM-Beteiligung, wenn ich mich recht erinnere. Dieser Bekannte, nennen wir ihn der Einfachheit halber Herrn A., ist ein rechter Fußballfan und wollte daher das Eröffnungsspiel - Deutschland gegen Costa Rica, wir erinnern uns - live im Fernsehen mit erleben.

Während man sich in der deutschen Heimat nun gar nicht entscheiden konnte, in welcher Lokalität und auf wessen Großbildleinwand man sich das Spiel anschauen sollte, begab sich Herr A. auf die Suche nach einem Restaurant mit Fernseher. Nach endlicher Zeit wurde er fündig, und zu seiner unermesslichen Freude schaltete die Kellnerin den Apparat ein und suchte ihm den Sender mit der Fußballübertragung.

Nach längerem Suchen fand sie schließlich den Kanal, auf dem das Spiel übertragen wurde, zwar mit spanischem Kommentar, aber immerhin. Herr A. bestellte sich das Nationalgericht - Cola und Hamburger - lehnte sich entspannt zurück und begann die Übertragung zu verfolgen, ein wenig besorgt, weil Ballack auf der Bank saß, und infolge mangelnder Spanischkenntnisse nicht in der Lage zu ergründen, warum.

Sein einsamer Jubelschrei beim Führungstor der Gastgeber ließ die übrigen Gäste, die den Fernseher bis dahin ignoriert hatten, erschrocken zusammenzucken. Nach dem zweiten Tor für Deutschland erkundigte sich die Kellnerin besorgt, wie lange denn so ein Spiel im allgemeinen sei, offenbar sah sie schon ihr Nachmittagsgeschäft durch den fremden Gast ernsthaft in Gefahr.

Herr A. beruhigte sie, dass das Spiel wie jedermann seit Sepp Herbergers weisem Spruch weiß, neunzig Minuten dauere, plus eine Viertelstunde Halbzeitpause, you know. Damit gab sie sich zufrieden, nahm Jubelschreie Nummer drei und vier nur noch Achsel zuckend zur Kenntnis und wünschte ihm zum Abschied »Good Luck«.

Erleichtert atmeten die Gäste auf, als nach dem Ende des Spiels wieder auf die übliche daily soap umgeschaltet wurde.

Ein seltsames Volk, diese Deutschen, oder?

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geboren 1962 im lustigen Rheinland, blieb ihr nach dem Abitur im finsteren Westfalen und Architekturstudium in Braunschweig nichts anderes übrig, als den Wahnsinn des Alltags durch die rosarote [..]

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