Alfred Fröhlich hat einen lustigen Namen und einen lustigen Beruf: er ist der oberste WC-Manager der Stadt Zürich. Fröhlich ist verantwortlich für sämtliche öffentliche Toiletten in der Stadt Zürich. Sein schärfster Konkurrent ist McDonalds. Fröhlich wäre aber nicht schon seit acht Jahren auf seinem Thron, wenn er nicht stets neue Ideen ausbrüten würde.
Für uns Zürcher ist er ein Segen. New York ist größer, Paris ist mondäner, aber Zürich hat die schönsten Toiletten der Welt. Und nicht nur dies: »Zürich hat das erste Designer-WC«. Der Zürcher »Tages-Anzeiger« berichtet auf einer halben Seite (leider nicht auf einer ganzen), welche Sehenswürdigkeit unsere ausländischen Freunde nicht verpassen dürfen. Das neue Klo steht am Albisriederplatz und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Der Eingangsbereich besteht aus Messing, das Dach aus Glas. Das Klo kostete 350'000 Schweizer Franken, ist jedoch für beide Geschlechter zugänglich (Sitzklo). Wiegt jemand aber über 140 Kilogramm, schließt die Klotüre nicht. Mit dieser Maßnahme will man verhindern, dass sich mehrere Personen gleichzeitig darin aufhalten. Selbstverständlich ist die Benutzung nicht gratis. Die »Eintrittsgebühr« beträgt einen Franken. Glück haben Invaliden: für sie ist der Besuch kostenlos, sofern sie einen Eurokey haben.
Ein großer Tag für Zürich. Endlich ist ein Tabu gebrochen. Alfred Fröhlich: »Als ich die Stelle antrat, war das Thema WC noch immer ein Tabu, die öffentlichen Aborte ein notwendiges Übel. Die Anlagen waren kaum sichtbar, verdeckt hinter Gebüschen und Mauern, viele verbannt in den Untergrund ...« (Tages-Anzeiger, 15.02.2005). Heute jedoch sind die Toiletten Teil unserer Kultur. Die Zeiten, in denen die Klos ausgegrenzt wurden, die sind vorbei. Zur Vergangenheit zählen nun auch endlich die Zeiten, in denen man nicht wusste, was tun mit 350'000 Schweizer Franken. Verbrennen verursacht Geruchsemissionen und ist ethisch auch in Zürich nicht vertretbar. Dass man dann auf die Idee mit den Toiletten kam, hat schließlich mit dem Fall Saddam Husseins zu tun. War er es doch, der der Öffentlichkeit zeigte, was man mit überflüssigem Geld anstellen kann, wenn man schon alles hat. Als die Soldaten seine zahlreichen Villen durchkämmten, fanden sie unter anderem Toilettenspüler aus 24-karätigem Gold. Noch ist Zürich nicht so weit. Aber wenn Alfred Fröhlich weitere acht Jahre dafür verwendet, das Tabu Toilette zu beseitigen, dann vielleicht ...