In ein paar Wochen feiert man in der jüdischen Religion Jom Kippur (Versöhnungstag). Die Tage vor dem Fest sind nicht einfach. Man geht zu Leuten, über die man das ganze Jahr gelästert hat, und bittet sie um Vergebung: »Verzeihst du mir, wenn ich aus purem Zufall mal etwas Blödes über dich gesagt habe?«
Diese Prozedur spare ich mir auf später auf. Jetzt möchte ich mich aber schon bei Ikea entschuldigen. Jawohl. Vor Jom Kippur werde ich dort nicht mehr einkaufen gehen. Das ist aber nicht die Sünde. Nein, ich habe folgendes verübt: Ich bin doch Ikea-Family-Mitglied und habe als solches freien Zugang zu Kaffee und Tee. Als Zwischenstärkung gedacht, schenkt Ikea jedem Mitglied einen Kaffee zum gratis runterschlürfen.
Wenn ich aber ein Gratis-Banner vor meinen Augen sehe, werde ich maßlos. Hier in diesem Fall habe ich fünf Latte Macchiato getrunken und an einem Darjeeling-Tee die Zunge verbrannt. Außerdem habe ich meine Ikea-Tüte genommen und etwa 20 kostenlose Kaffeerahmdöschen hineingeworfen. Dann noch alle Zuckerwürfel, die Hälfte der Zahnstocher und zum Schluss nochmals einen Latte Macchiato mit auf den Weg genommen. Da in der Tüte noch Platz war, nahm ich noch diverse Tee-Tütchen mit.
Bin ich aber erst mal auf den Geschmack einer verführerischen Sünde gekommen, drehe ich langsam auf. Bei Ikea gibt es ja noch diese Plastik-Behälter mit den kleinen Bleistiften. Die sind gratis! Also Tüte auf, alle Bleistifte mein. Und bei der Möbelabteilung habe ich alle Längenmaße aus Papier abgerissen. Etwa 60 Stück, macht zusammen 60 Meter.
So, jetzt ist es raus. Ich fühle mich nun viel besser. Mein Dank gilt Ikea, den blinden Kassiererinnen, dem fleißigen Nachfüll-Personal und meinen Eltern. Weiter möchte ich mich beim Produktionsteam bedanken. Es war toll mit euch zu arbeiten.