Mit der Schweiz verhält es sich wie mit dem Klassenstreber. Der bringt zwar regelmäßig Bestnoten nach Hause, aber nie Mädchen. Niemand mag ihn besonders und wenn er Geburtstag hat, kommt außer der Lehrerin keiner ihn besuchen.
Dazu kommt noch die Ignoranz. Wer weiß schon etwas über die Schweiz zu berichten? Niemand kennt unseren Bundesrat, niemand wollte unsere Landesausstellung vor zwei Jahren besuchen und jeder Zweite verwechselt uns mit Schweden.
Wir Schweizer werden entweder als Alp-Öhis betrachtet oder als raffgierige Banker. Dass es hierzulande aber auch Taschendiebe, Gewaltverbrecher und schlechte Automechaniker gibt, so etwas übersteigt die Vorstellungskraft vieler Menschen.
Die wenigen Schweizer, die auch im Ausland erkannt werden, sind: Roger Federer, Martina Hingis und DJ Bobo. Ignorieren wir Letzgenannten und konzentrieren wir uns auf Roger und Martina. Beide verdienen ihr Geld mit Tennis. Roger ist noch aktiv, Martina bereits Frührentnerin. Beide wurden reich. Oder besser gesagt: sehr reich. Man würde es aber bei ihnen nicht bemerken. Hierzulande versteckt man seine Millionen. Bei Roger Federer könnte ich mir gut vorstellen, dass er zu den Tourniers Economy fliegt und das gesparte Geld in Obligationen anlegt. Martina Hingis hat zwar vier Porsches – die aber hat sie in den Jahren 1996, 1997, 2000 und 2001 in Filderstadt gewonnen. Selber würde sie nie so teure Autos kaufen. Auch die Omega-Uhr, die sie trägt, wurde ihr von den Sponsoren auferzwungen. Vielleicht lächelt sie deshalb immer so gequält.
Für uns Schweizer ist Martina Hingis etwa so wichtig wie Jan Ulrich für euch Deutsche. Daran ändert auch ihr Rücktritt nichts. Sie bleibt für uns eine Nationalheldin. Wir haben ja sonst niemanden. Ich möchte hier nicht übertreiben und nun behaupten, dass ich jede Minute an sie denke; doch einmal täglich widme ich ihr schon meine Gedanken. Über meinem Bett hängt ein Poster von ihr und natürlich thematisiert auch mein Bildschirmschoner diese Powerfrau.
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Verständlich also mein Bestürzen, als ich meine Martina in einer Zeitung abgebildet sah, in der sie Werbung für eine Waschmaschine (»Adora«) machte. Zum einfacheren Verständnis: für euch wäre das etwa so, wie wenn Jan Ulrich Werbung für Nikotinpflaster machen würde! Ist das nun das weitere Leben unserer Tennisprinzessin? Wird sie demnächst zu Johannes B. Kerner gehen und dort über 60°-Buntwäsche diskutieren?
Schlimm, diese Entwicklung ... Doch Jammern hilft nicht weiter. Für mich und alle anderen Schweizer heißt es nun, die Waschmaschine »Adora« zu kaufen. Sie kostet zwar satte 2500 Euro, aber wer kann sonst schon von sich behaupten, eine Waschmaschine zu nutzen, zu der Martina »eine echte Beziehung« (Pressemitteilung) hat? Die »Adora« kann das. Und ich bald auch.
So komm ich meinen Träumen vielleicht doch etwas näher...