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26.12.06

Beni Frenkel

Turkmenbaschi

Turkmenbaschi ist tot. Die Turkmenen trauern um einen Diktator, der auch Sinn für Komik hatte. Der aber auch ein begnadeter Schriftsteller war. So ist sein Hauptwerk »Buch der Seele« innert Tagen zum Bestseller avanciert. Es scheint ein so gutes Buch zu sein, dass Turkmenbaschi den Samstag in »Ruh Gün« (Tag des Geistes) umbenannte, da an diesem Tag die Turkmenen das »Buch der Seele« lesen müssen. Sie müssen es auch lesen, um bei der Führerscheinprüfung durchzukommen.

Und im Gegensatz zum schwerfälligen Deutschland, welches bundesweit keine einheitlichen Rauchergesetze einführen konnte, hat Turkmenbaschi das Rauchen einfach verboten. So geht das. Auch Aids ist verboten.

Viele Europäer denken sich ja immer: Turkmenistan ist irgendwo in Russland. Falsch. Turkmenistan liegt im Süden Russlands und schmiegt sich eng ans Kaspische Meer. Dort unten, wo übrigens auch Palmen wachsen, regierte Turkmenbaschi. Goethe hat es ja nur bis Italien geschafft. Auch schrieb er vorwiegend Romane oder Kurzgedichte. Turkmenbaschi hingegen hat nebst dem oben zitierten Werk auch den trivialen Monatsnamen lyrische Bezeichnungen gegeben. Für den Monat April, der über 30 Tage besitzt, hat Turkmenbaschi das französisch klingende Wort »Gurbansoltan-eje« kreiert. So hieß nämlich seine Mutter. Und gleich allen turkmenischen Frauen soll der Monat April gewidmet sein. Denn wie im April, wo alles blüht und wachst, sollen auch die Bäuche der stolzen Frauen Turkmenistans aufblühen.

Es ist unglaublich. Für fast alle Probleme, mit denen sich der »moderne« Westen plagt, fände sich eine turkmenbaschische Lösung. Faule Langzeitstudenten, die mal Psychologie, dann Biologie studieren? In Turkmenistan werden die Studenten gezwungen, ihre Fächer zu wechseln (z.B. von Englisch zu Russisch). Defizitäre Bibliotheken? In Turkmenistan wurden sie alle geschlossen. Unsittliche Filme? Kino, Theater und Zirkus gibt es logischerweise nicht in Turkmenistan.

Wir sollten also alle ein bisschen demütiger werden und fremde Kulturen zu verstehen versuchen. Stolz ist immer ein schlechter Ratgeber. Und Gerhard Schröder, der sein seelenloses Buch »Entscheidungen. Mein Leben in der Politik« kürzlich fertig geschrieben hat, soll sich in einer ernsten Stunde mal fragen, ob es nicht lächerlich war, gegen die Behauptung, seine Haare wären gefärbt, zu prozessieren. Ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, sich ein paar Mal als Büste vergolden zu lassen – wie es sein Amtskollege Turkmenbaschi tat.

Ich hätte übrigens nichts gegen eine goldene Statue in meinem Garten. Turkmenbaschi oder Gerhard Schröder – da bin ich ziemlich gleichgültig. Auch eine goldene Merkel würde ich stehen lassen. Es kommt jetzt kein »außer«. Nein, mir wäre jede goldene Statue willkommen. Es soll einfach ein Mensch erkennbar sein, der sich um seine Untertanen sorgte.

Sicher, Menschenrechtsverletzungen sind in Turkmenistan an der Tagesordnung. Andererseits liegen schätzungsweise drei Milliarden US-Dollar von Turkmenbaschis Vermögen auf Konten der Deutschen Bank. Diese kurbeln die deutsche Volkswirtschaft an und zeigen an, wie egal uns das Regime dort hinten war.

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Beni Frenkel

Jahrgang 1977 und, wie man aus den Texten wahrscheinlich sieht: ein Schweizer.

Ich bin Lehrer an einer Primarschule. Dort unterrichte ich unter anderem den Unterschied zwischen »war& [..]

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