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29.04.06

Beni Frenkel

Google

Google ist ähnlich wie Samantha Fox schon seit langem nicht mehr sexy. Zu einer Zeit noch, als das Aufladen einer Seite über eine Minute dauerte, 1996, 1997, da war Google noch heiß. Noch nicht jeder Trottel wusste, was eine Suchmaschine ist.

Aber heute buht man Google aus. Bäh. Google macht irre viel Geld, hilft den Chinesen, eine Diktatur zu errichten und zeigt auf Google Maps, dass Deutschland sogar aus dem All scheiße aussieht.

Ich hingegen bin noch immer angetan von Google. Das hat vor allem mit dem »Meinten Sie« zu tun. Ich kann nämlich nicht ganz gut Deutsch, weißt du. Und jedes Mal wenn ich etwas falsch schreibe, kommt Google, klopft mir auf die Schulter und sagt: »Meinten Sie?«. Ich Döddel schreibe zum Beispiel »Athmosphäre« und Google hilft mir weiter mit »Atmosphäre«. Oder wenn ich »sgdflg« schreibe, antwortet mir Google: »Meinten Sie sgdfl?«

Ja, Mann, genau das meinte ich. Im Unterschied zu den meisten Menschen hat Google nämlich noch etwas, was sich »Hineinfühlen« nennt. Die Lehrer, Dozenten, Professoren lassen dich hingegen absaufen, wenn du was Falsches sagst. »Nicht ganz richtig, Herr Frenkel«, »Das hätten Sie eigentlich seit der Vorlesung wissen müssen«. Noch nie habe ich einen Professor erlebt, der mir gesagt hat: »Meinten Sie (Formel)

Google aber ist so lieb. Das gleiche gilt bei den Frauen. Auch hier noch nie eine Frau erlebt, die sagt: »Du hast sicher etwas anderes gemeint, oder, Schätzchen?«.

Und wenn wir schon bei den Frauen und beim Internet sind: Wir sollten endlich mal aufhören, dass Internet wegen Spams zu verunglimpfen. Ähnlich wie Google besitzen auch die Spammer Einfühlungsvermögen. Ist doch toll, wenn man gratis nackte Frauen zugeschickt bekommt. Und wenn man nicht will, löscht man sie einfach. Die Moralapostel jammern natürlich. Schlimm, schlimm, schlimm. Aber manchmal ist es gar nicht verkehrt, wenn so eine Frau auf dem Bildschirm aufblitzt und dir zu verstehen gibt, dass sie dich liebt. In der U-Bahn passiert so etwas nicht. Da kommt niemand und gibt dir eine »Praline«.

So betrachtet freue ich mich auf die Zukunft. Dann gibt es für alles Computer, Roboter, die dir helfen werden: Ein Backroboter schaut dir beim Kochen zu und greift dir manchmal unter die Arme: »Meinten Sie nicht 200 Gramm Zucker?«, assistiert dir beim Bewerbungsgespräch »Meinten Sie nicht, dass Sie gesundheitlich nur 20% arbeiten können?« und schiebt dich kollegial zur Seite, wenn du ähm mit deiner Freundin beim ähm ... »Meinten Sie nicht diese Stellung?«

Hoffentlich erlebe ich das alles noch!

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Beni Frenkel

Jahrgang 1977 und, wie man aus den Texten wahrscheinlich sieht: ein Schweizer.

Ich bin Lehrer an einer Primarschule. Dort unterrichte ich unter anderem den Unterschied zwischen »war& [..]

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