Zur Druckversion

04.10.09

Wilhelm Ruprecht Frieling

Hilfe, meine Pupse stinken nach Salami!

Leute, ich brauche dringend Hilfe. Denn mein Hund stinkt. Pardon, er duftet nicht, er riecht einfach nur abartig. Manchmal stinkt er sogar infernalisch, und auch mein ständiges Herumwedeln mit einer Dose Tannenduftspray hilft kaum.

Besonders brutale Winde wehen, wenn es mir mit Hilfe einer Nasenklammer gelungen ist, ihm eine frische Portion Blättermagen oder Pansen in unserer gemeinsamen Wohnhöhle zu servieren. Darüber freut er sich dann so, dass er schon beim Verzehr wild mit dem Hinterteil wedelt und Blähgase in unendlicher Fülle seinem glücklichen Körper entsteigen lässt. Küsst er mich dann später und schleckt mir dankbar für die duftige Gabe das Gesicht ab, dann atme ich seine aus allen Öffnungen dringenden Faulgase ein und weiß, es hat ihm mal wieder gut geschmeckt ...

Wen wundert es wohl: seit Jahren bin ich sozial isoliert und kann keinen Besuch mehr empfangen. Lediglich mit anderen Hundehaltern wechsele ich gelegentlich draußen auf der einstmals grünen Wiese ein paar Worte. Dort treffe ich Frau Fiffi, Herrn Rex und andere Frauchen und Herrchen, die sich mit dem Namen ihrer Vierbeiner ansprechen. Es bricht mir zwar das Herz, wenn mein edler Jagdhund sich mit einer struppigen Töle vergnügen muss, aber minimalen Sozialkontakt brauchen wir doch schließlich alle.

Was denkt Ihr also, wie ich aufatmen konnte, als ich erfuhr, dass es im Internet eine Social Community für Hunde gibt! Schnupper-mich.de ist so eine Art Facebook für Vierbeiner, und ich bin natürlich umgehend Mitglied geworden. Auf dieser Plattform können sich unsere vierbeinigen Freunde endlich einmal in Ruhe unterhalten und müssen auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Und das Tollste daran ist, das Kläffen und Knurren wird sogar in Druckschrift übertragen und kann damit von anderen Tierfreunden gelesen werden!

Schon einer der ersten Einträge zeigt mir, dass ich unter Leidensgenossen bin. »Hallo, ich wollte euch mal fragen, ob es normal ist, dass ich nach dem Genuss von Salami immer soviel pupsen muss? Das ist manchmal richtig laut. Mir selbst ist das zwar egal, aber Frauchen und Herrchen geht der Geruch wohl ziemlich in die Nase« schreibt »Struppi_NRW«. Und jetzt endlich begreife ich: Geruchsbelästigung ist wohl ein Problem von vielen, die einen Hund halten!

Auch die zwölf Kilo schwere Bulldoge »Strunzmann« kennt das Problem: »Nach Salami geht es den anderen um mich herum dreckig.«, knurrt das Tier, dessen Profilfoto ein mächtiges Gebiss zeigt. »Don Anton« aus Bremen kläfft zum Thema, er könne »auch nur rülpsen, pupsen und kreischen wie ein Mädchen in den Wehen.« Und bei all der guten Ernährung hat Sid »Ich bin nicht dick, ich habe nur schwere Knochen« aus Seligenstadt bereits 61 Kilo angesetzt. Welche Wolken hat dieses kraftvolle Tier wohl im Laufe seines Hundeslebens in den Himmel geschossen, und wie mächtig mögen seine Haufen sein?

Dank schnupper-mich.de erfahre ich: es geht den Besitzern von Möpsen, Bulldoggen und Kampfterriern nicht anders als mir. Das schafft Gemeinschaftsgefühl, dem Internet sei Dank, und all die Pupse nach Salami und Pansen verdichten zu einer Symphonie des Wohllauts und einer noch engeren olfaktorischen Verbindung mit Mutter Natur.

In einem Punkt habe ich allerdings bereits ohne meine neue Hunde-Community gehandelt. Die endlosen Hinterlassenschaften pupsender Hunde vor meiner Haustür werden ab sofort kunstvoll dekoriert. Eine Partei, die sich der braunen Farbe verschrieben hat, heftet ständig kleine Werbezettel an meinen Gartenzaun. »Deutsche. Kauft deutsche Wurst« steht darauf in fetten Lettern. Diese braunen Botschaften sammele ich dankbar auf und stecke sie in die kackfarbenen Haufen auf unserer Straße, wenn Mops, der Promenadenhund, wieder einmal duftig eine frisch verdaute Salami abgesetzt hat.

Vielleicht sollte ich auf dem neuen Hunde-Facebook diesen Vorschlag machen, damit auch andere Halter sich für deutsche Würste erwärmen?

Kontakt

Schreiben Sie einen Leserbrief an Wilhelm Ruprecht Frieling.

Foto: Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling

Jahrgang 1952, lebt vom Schreiben. Aufgewachsen im rabenschwarzen Münsterland pendelt er zwischen Berlin und Palma. Feuilletons und Reportagen für Börsenblatt des deutschen Buchhandels, [..]

Ausgewählte Kolumnen von Wilhelm Ruprecht Frieling

Zur vollständigen Vita und allen Kolumnen von Wilhelm Ruprecht Frieling