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02.07.07

Till Frommann

Mein Leben mit Massenmedien (IV):
Bitte nicht lesen – Ab den folgenden Worten nur Wiederholungen (Website-Betreiber haften für ihre Leser)

Es ist schlimm, aber wahr: Mein Leben besteht aus Alltag, und mein Alltag besteht aus Massenmedien. Fernsehen, Radio, Internet, Zeitungen, Magazine. Alles. Willkommen bei meiner ganz persönlichen Massenmedienberieselung, die ich auch diesen Monat wieder über mich ergehen lassen habe.

Samstag, 16. Juni

Gut, dass das hier kein Beitrag fürs Radio ist, denn ansonsten hätte ich schreckliche Probleme, das Wort Fauxpas auszusprechen. Und überhaupt habe ich Probleme, manche Worte auszusprechen. Guerilla zum Beispiel kann ich ebenfalls nur sagen, wenn ich mich sehr stark konzentriere.

Wie dem auch sei: Womöglich kann man es als Fauxpas bezeichnen, was und vor allen Dingen wo in der »Zeit« Werbung geschaltet wurde. Während der »Antworten auf den Seiten 3 bis 6« geht es in verschiedenen Reportagen und einem Kommentar von Ulrich Beck darum, ob die SPD noch zu retten sei. Das Logo der vermeintlichen Volkspartei: Die Abkürzung »SPD« in weißer Schrift auf rotem Grund. Und noch einmal: Auf diesen Seiten geht es darum, wie schlecht es Kurt Beck und Konsorten geht.

Auf Seite 4 der »Zeit«: Eine Anzeige der Sparkassen (Slogan: »Sparkassen. Gut für Deutschland.«). Weiße Schrift auf rotem Grund. Eine, nun ja, ähnliche Corporate Identity wie die SPD. Und das innerhalb eines Artikels, wie schlecht es der SPD geht. Ob sich da das Loserimage auf die Sparkasse übertragen wird?

Oder ist das vielleicht witzig gemeint? Haben Banken Humor?

Sonntag, 17. Juni

Und schon wieder habe ich mich wieder einmal wiederholt. Dass ich Probleme mit der Aussprache einiger Worte habe – habe ich schon öfter geschrieben. Neulich habe ich – wieder einmal – eine Kolumne verfasst, in welcher es darum geht, dass ich eine Sauklaue habe. Andererseits ist mir wieder einmal etwas passiert, weshalb ich dies wieder einmal schreiben konnte: Jemand hatte in meine Aufzeichnungen gelugt und mich gelobt, dass ich einer weniger Menschen sei, die noch Stenografie könnten – dabei habe ich, jaja, einzig und allein eine Sauklaue, die anscheinend so ähnlich wie Steno aussieht.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Smalltalkthemen aus über 90 Prozent Wiederholungen bestünden – keine Ahnung, ob die Höhe stimmt, ob sie niedriger oder höher ist als ich mir gemerkt habe. Aber dass man sich wiederholt und wiederholt und wiederholt und wiederholt übers Wetter redet, das Fernsehprogramm und darüber, wie müde man doch ist, ist unumstößlich.

Auch das Fernsehprogramm besteht zum Glück – und das nicht nur heute – aus beruhigenden, immer wiederkehrenden Wiederholungen, zum Beispiel die »Simpsons« (Pro Sieben, 18 Uhr 10), die »Schillerstraße« (Sat 1, 17 Uhr), »Switch Reloaded« und »Bully & Rick« (Pro Sieben, ab 17 Uhr). Diese Liste ist, natürlich, unvollständig.

Montag, 18. Juni

Und schon wieder wiederhole ich mich, dass ich mich ständig wiederhole. Hört das denn nie auf?

Freitag, 22. Juni

Die Tauben werden immer frecher! Nicht nur, dass sie meinen Balkon als öffentliche Toilette zweckentfremden würden – nein, daran habe ich mich wirklich schon gewöhnt. Ich nehme jetzt immer 20 Cent pro Nutzung und habe dadurch einen lukrativen Nebenjob gefunden. Bald werde ich richtig reich sein dank ihrer Verdauung.

Jetzt bombardieren sie den Balkon auch noch mit Eiern. Was habe ich ihnen eigentlich getan, ich bin so ein netter Mensch. Oder hatten sie einfach gerade einmal keine 20 Cent dabei und werden sich gedacht haben: »Ach, so ein Ei wird ungefähr den selben Wert haben«? Wie wirtschaftlich denken eigentlich Tauben?

Heute läuft – passenderweise! – um 20 Uhr 15 auf dem NDR die Sendung »So'n Schiet!«, die natürlich wieder einmal nichts mit den Tauben, dem kapitalistischen Wert eines Eis und mir zu tun hat. Vielmehr geht es um die »miesesten Jobs von damals«. Das hat nun wirklich nichts mit mir zu tun, denn weder habe ich damals gelebt, noch habe ich einen miesen Job.

Anscheinend dreht sich die Welt leider nicht immer um mich. Schade eigentlich. Dabei bin ich so schön egozentrisch.

Montag, 25. Juni

Es ist also wieder einer dieser Montage. Aufstehen. Arbeiten. Abendessen. Alles alltäglich. Im Fernsehen läuft »Wer wird Millionär?«. Alles ist wie immer. Es ist also wieder einer dieser Montage.

Ich habe bisher erst eine Folge von »Primeval« gesehen, das ist diese neue Serie auf Pro Sieben, aber die Folge war richtig gut. Gute Unterhaltung. Und das an einem dieser Montage. Ich werde sie mir noch ansehen, die verpassten Teile, ganz bestimmt. Dinosaurier. Ein Zeitportal. Action. Krach. Anspruchslosigkeit. Genau das Richtige – ja, so sollte sie sein, diese anspruchslose Montagabendunterhaltung zum Nichtweiterdrübernachdenken.

Montage können richtig schlimm sein, aber das Montagabendfernsehprogramm ist richtig gut. Niveaulos, wie es sein sollte an Tagen wie diesen. An Wochenanfängen. An denen man nur abgehackt denken und abgehackt schreiben kann.

Dienstag, 26. Juni

Heute läuft ein richtig guter Film, obwohl ich mich eigentlich nicht traue, ihn als richtig guten Film anzupreisen. Vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen, um mich zu rechtfertigen.

In meiner Kindheit mochte ich Filme über Außerirdische. In meiner Jugend auch. Und jetzt? Nun gut. Ich mag immer noch Science-Fiction-Filme. Was bitte ist so schlimm daran? Na?

Na also.

In meiner Kindheit mochte ich jedoch auch Bud Spencer. Super Sprüche, die er losgelassen hat. Super Filme, in denen er mitgespielt hat. Und, okay, eine super Handlung hatten die Haudrauffilme natürlich nicht.

Eine gute Kombination zwischen Außerirdischen und Bud Spencer ist der Film »Buddy haut den Lukas« (Kabel 1, 20 Uhr 15). Und ja, ich bin nostalgisch: Wahrscheinlich ist der Film total bescheuert, und ich mag ihn nur, weil er mich an meine Kindheit erinnert.

Ein weiterer Lieblingsfilm von mir ist »Zurück in die Zukunft 2«, obwohl darin weder Außerirdische noch Bud Spencer vorkommen.

Mittwoch, 27. Juni

Meistens habe ich nichts gegen die Deutsche Bahn. Seitdem ich seit etwa drei Monaten jeden Tag in eine kleinere Stadt fahre, um dort zu arbeiten, hat sie sich fast regelmäßig morgens dafür entschuldigt, dass mein Zug etwas später losfahren wird – weil ein ICE überholen muss. Wegen Anschlussreisenden. Wegen was auch immer.

Ich mag es, wenn Menschen sich entschuldigen. Ich selbst entschuldige mich ebenfalls sehr regelmäßig. Dabei mache ich wahrscheinlich überhaupt nicht so viel falsch wie ich immer denke. Wenn Menschen mir auf den Fuß treten – entschuldige ich mich. So ist das nun einmal mit mir.

Um 20 Uhr 13 läuft heute auf »13th Street« der ungarische Film »Kontrol«, der sehr gut sein soll. Es geht um U-Bahnen, um Kontrolleure, vielleicht auch um unpünktlich abfahrende U-Bahnen, um U-Bahnen, die entgleisen. Ich möchte mich hiermit schon einmal vorsorglich dafür entschuldigen, wenn der Film doch nicht so toll sein sollte und jemand seine Zeit damit verschwendet haben wird, weil ich diesen hier angepriesen habe.

Entschuldigung.

Freitag, 29. Juni

Das Leben ist ein Auf und Ab. Ein Hoch jagt das nächste Tief und umgekehrt. Es muss ja. Nach jeder Niederlage kommt ein Neuanfang. Nach Regen folgt Sonnenschein. Und andere plattgedrückten Platitüden darüber, wie schön, wie schrecklich, wie belanglos der Alltag sein kann. Ich bin übrigens wieder einmal müde, aber das ist er, der Alltag: manchmal ermüdend, manchmal erhellend, meistens, ja, belanglos halt.

Werde ich »Entern oder Kentern« im Leben? Was für eine doofe Frage. Sowohl als auch, würde ich sagen, und die Phrasen geben mir Recht: Das Leben ist nun einmal ein Mal-so-und-mal-so. Eitel Sonnenschein ist nicht immer toll, das kann man momentan an der Klimakatastrophe sehen. Die Menschen in Südeuropa hätten jetzt sicherlich gerne ein wenig Regen. Aber bitte nur ein wenig – nicht, dass das wieder einmal in einer Katastrophe in die andere Richtung endet. Nach Dürre folgt Sintflut? Auch nicht schön. Aber Extreme meiden meistens den Alltag – sonst wäre es (ganz schön platt wieder mal, diese Moral hier!) kein Alltag mehr.

Heute läuft zum ersten Mal die Spielshow »Entern oder Kentern« um 20 Uhr 15 auf RTL. Alltagsereignisfernsehen, womöglich nicht weiter der Rede wert. Belanglos halt.

Samstag, 30. Juni

Erwähnte ich schon, dass ich Trash liebe? Fernsehmüll? Kinomüll? Anspruchslose Populärliteratur? Bestimmt habe ich das schon geschrieben, aber hiermit möchte ich es noch einmal schreiben, noch einmal zugeben: Ja, ich liebe Trash.

Heute läuft ein wunderbarer Film, den ich jedem ans Herz legen möchte. Meine Fernsehzeitschrift hat ihn mit »geht so« bewertet – aber wer hört schon auf Kritiken? Alles subjektiver Kram.

Hier also meine Kritik zu »Zeitreise in die Katastrophe« (RTL 2, 20 Uhr 15): Großartig. Mehr muss ich dazu nicht sagen, glaube ich. Das reicht als Kritik. Nicht, dass das subjektiv wäre: Es ist die Wahrheit. Natürlich. Es geht darin um Zeitreisen, Katastrophen und seltsame Auswüchse von Tourismus. Ich habe den Schrott jetzt schon zwei Mal gesehen und war immer wieder begeistert. Miese Effekte, platte Handlung, großartige Unterhaltung.

Okay, ich stehe auf Trash.

Vielleicht sollte ich mir wieder einmal einen meiner vielen Lieblingsfilme, nämlich »Space Truckers«, anschauen. Darin geht es um einen Raumschiff-LKW-Fahrer, der unter anderem quadratische Schweine durchs Weltall transportieren muss. Auch so ein großartiger Film. Aber mein Urteil ist anscheinend nicht sehr maßgeblich. Die Mehrheit möchte das nicht sehen, glaube ich. Schade eigentlich.

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Till Frommann

Geboren 1978 in Wolfenbüttel und fragt sich seitdem, was das alles soll. Also: Was soll das alles? Studierte ein paar Jahre zu lang Philosophie in Braunschweig, aber auch das gab keine [..]

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