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03.09.07

Till Frommann

Mein Leben mit Massenmedien (VIII):
Arbeit für alle – aber (für ein paar Tage) gefälligst nicht mehr für mich

Es ist schlimm, aber wahr: Mein Leben besteht aus Alltag, und mein Alltag besteht aus Massenmedien. Fernsehen, Radio, Internet, Zeitungen, Magazine. Alles. Willkommen bei meiner ganz persönlichen Massenmedienberieselung und meinem ganz persönlichen Burn-Out. Ich brauche Urlaub – und Urlaub soll ich natürlich auch bekommen. Das ist nur gerecht. Sollen doch andere im Büro versagen.

Dienstag, 14. August 2007

Bin ich ein »Besserwisser« (Pro Sieben, 22 Uhr 15)? Ich sage, welche Fernsehserie man gut zu finden hat. Schreibe, wie schrecklich die Welt ist und lasse keine Diskussion darüber zu. Erkläre, warum ich gefälligst Recht zu haben habe.

Kurz: Ich bin Journalist.

Ich bin einer dieser Besserwisser.

Keine Ahnung, weshalb dieser Berufsstand einen so schlechten Ruf hat.

Mittwoch, 15. August 2007

Das Leben ist voller Hochs und Tiefs, und anscheinend habe ich es geschafft, aus meiner Deprimiertheit erst einmal wieder herauszukriechen. Willkommen strahlend helles Gute-Laune-Licht! Keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, wieder einmal glücklich zu sein – und wie lange das anhalten wird, weiß ich auch nicht. Schon morgen kann ich wieder ein grummelnder Grummling sein, wer weiß das schon so genau.

Und wer hätte das nach der gestrigen Elvis-Informationsattacke im Fernsehen, im Radio und in Zeitungen gedacht: Der King ist tot! Doch auch heute hat sich Elvis Presley ins Fernsehprogramm geschmuggelt. Morgen ist sein Todestag, und anscheinend feiert Kabel 1 hinein in diesen Feiertag. Von 22 Uhr 10 bis um 1 Uhr 20 wird dort dem König des Rock'n'Roll gehuldigt. Hosianna.

Was das mit mir zu tun hat? Das Leben des angeblich famosen Sängers bestand auch aus vielen Hochs, vielen Tiefs und noch ein paar metertiefen Tiefs mehr. Ich hoffe, dass es mir am Ende meines Lebens besser gehen wird als ihm. Zumindest habe ich bislang noch nicht viele Bananensandwiches gegessen.

Donnerstag, 16. August 2007

»Der menschliche Makel« (ARD, 22 Uhr 45) ist es doch, dass man nicht immer glücklich sein kann, sondern manchmal tieftraurig herumtrieft in seiner eigenen Makelhaftigkeit. Heute zum Glück noch immer nicht. Ich bin immer noch halbwegs glücklich, aber ich merke wieder eine leise Melancholie in mir. Dieses Gefühl, etwas anderes vom Leben erwartet zu haben als das, was ich bekommen habe.

Aber dann denke ich: Er kann ja noch kommen, der Erfolg. Das, was ich vom Leben erwartet habe.

Freitag, 17. August 2007

Neulich habe ich einen Brief von der Hausverwaltung bekommen, und es ist keiner dieser üblichen Aufforderungen gewesen wie zum Beispiel: »Werden Sie doch endlich vernünftig, meine Güte. Eigentlich dürfte Ihnen klar sein, dass einigen Nachbarn laute Musik um drei Uhr morgens nicht gefallen könnte und schon gar nicht der Mist, den Sie so gehört haben.«

Nein, diesmal ist es origineller gewesen, und lustiger war es auch, was habe ich gelacht, das hätte ich einer Hausverwaltung überhaupt nicht zugetraut.

»Zur Verbesserung Ihres Fernsehempfangs hat der Techniker den Verstärker in der Hausverteilanlage ausgetauscht.« Aha. Soso. Und? Das Lustige kommt ja erst noch, wenn ich um ein wenig Geduld bitten dürfte? Also: »Der Anschluss des neuen (leistungsstärkeren) Verstärkers hat zur Folge, dass die Qualität des Fernsehbildes (nicht des Programms) verbessert wird.« Lustig, was? »Nicht des Programms« – haha. »Das weiß doch jedes Kind« (Sat 1, 20 Uhr 15), dass Schrott auch mit leistungsstärkerer Technik Schrott bleibt.

Nur neue Ideen bringen ein besseres Programm. Wäre zumindest schön gewesen, wenn sich sowas wie das hier durchgesetzt hätte.

Samstag, 18. August 207

Mein motivierender Tagesablauf: Morgens lese ich in der Zeitung einen »Hägar«-Comicstrip. Wenn ich mich an den Bürocomputer setze und meine E-Mails überfliege, dürfte ich dort bereits den »Garfield«-Newsletter finden. Und nachmittags trudelt dann irgendwann der »Calvin and Hobbes«-Newsletter mit einer weiteren Aufheiterung ein.

So hangele ich mich im Alltag von Pointe zu Pointe, von Comicstrip zu Comicstrip. Ach ja, und dann lese ich auch noch die Comictagebücher »Americanelf.com« und »der-flix.de«.

Heute Abend läuft um 20 Uhr 15 »Garfield – Der Film« auf RTL. Den werde ich mir ganz bestimmt nicht ansehen. Das ist Blasphemie! Garfield als Computeranimation? Unverschämtheit!

Sonntag, 19. August 2007

Meine »Wunderwelt Wissen« (Pro Sieben, 19 Uhr 10) sollte heute am Besten darin bestehen, nichts wissen zu wollen. Nichts zu sehen. Nichts zu sagen. Nichts zu schreiben. Das zumindest wäre mir am liebsten.

Und ich wünschte, ich wär in Italien.

Leider sprechen viele Verpflichtungen gegen einen gemütlichen Sonntag im Bett. Also los! Zack, zack. Her mit den Verpflichtungen, ich arbeite sie ab. Gewissenhaft und gut. Wie immer.

Montag, 20. August 2007

Erwähnte ich schon, dass ich dringend Urlaub brauche? Wenn nicht, soll das hiermit erledigt sein. Also: Ich brauche dringend Urlaub. Ich könnte »Einmal Pazifik und zurück« (ARD, 20 Uhr 15) vertragen, aber bitte auf einer Luftmatratze und neben mir einen professionellen Cocktailmixer im Skoking, ebenfalls auf einer Luftmatratze, inklusive aller Zutaten für alle erdenklichen Cocktails und Erfrischungsgetränke. Und dann noch einen Koch (ebenfalls im Smoking), der mir auf seiner portablen Küche (ebenfalls auf einer Luftmatratze) alle nur erdenklichen exquisiten Speisen kredenzt.

Was sind das denn bitte für Phantastereien! Erwähnte ich schon, dass ich dringend Urlaub brauche? Ach ja. Habe ich schon. Tut mir Leid, ich wiederhole mich schon wieder.

Dienstag, 21. August 2007

Kurz ins Fernsehprogramm geguckt und darüber nachgedacht, wohin man reisen könnte. »Nach Borneo – Insel in den Wolken« (WDR, 20 Uhr 15) vielleicht? Oder mit dem »Zug der Träume – Vom Berlin bis an die Wolga« (HR 3, 20 Uhr 15)? Nach Nordermoor? Obwohl, nein, da liegen mir zu viele Tote herum (»Der Tote aus Nordermoor«, Bayern 3, 21 Uhr 45). Andererseits – wenn er nur von dort kommt, muss er ja nicht zwangsläufig auch dort gestorben sein.

Im September fahre ich Neapel. Dort wird es bestimmt sehr schön. Und nächste Woche? Habe ich erst einmal Urlaub. Ich fahre nach Hause. Und ich brauche diesen Urlaub. Dringend.

Mittwoch, 22. August 2007

Urlaub! Mein persönlicher Countdown ist längst eingeschaltet. Noch heute, morgen und übermorgen, dann habe ich eine Woche (und ja, ich möchte es wieder, wieder, wieder sagen, herausbrüllen, aber auch schreiben):

Urlaub.

Urlaub!

Urlaub!

Urlaub!

Wie ich ihn brauche, den Urlaub, Urlaub, Urlaub.

Bis dahin schaue ich mir Reisedokumentationen an. »Schlemmerreise Altbayern und Schwaben« zum Beispiel (BAYERN, 19 Uhr), »Die fantastische Reise mit dem Golfstrom« (SWR, 20 Uhr 15) oder »Mutter kommt in Fahrt« (HR, 22 Uhr 35), wobei ich nicht genau weiß, ob das eine Reisedoku ist. Wenn, dann wäre es eine sehr, sehr merkwürdige Sendung, die ich ungemein gerne sehen wollen würde.

Nun ja.

Donnerstag, 23. August 2007

Ich habe einen kleinen Gerechtigkeitssinn – und einen großen, wenn es um mich selbst geht. Ich hasse fast alles, was ungerecht ist und rege mich sehr darüber auf, auch dann, wenn es mich nicht im Geringsten betrifft. Und wenn es um mich selbst geht? Bitte ich um die größtmöglichste Gerechtigkeit meiner Mitmenschen mir gegenüber, natürlich.

Deshalb ist es auch nur als gerecht und gut zu bezeichnen, dass morgen mein letzter Arbeitstag vor meinem einwöchigen Urlaub ist. Aber das mit dem Urlaub erwähnte ich bereits. Mehrfach. Und ich werde es wieder tun. Ich habe Urlaub, und ihr Bürobanausen nicht. Bäh. Das halte ich für gerecht.

Auf BAYERN läuft heute um 21 Uhr 45 die Sendung »Chill & Couch«. Ich habe keine Ahnung, worum es da geht. Aber als Motto für die nächste Woche finde ich den Titel sehr geeignet. Wer muss nächste Woche arbeiten? Na? Einmal durchzählen, bitte.

Ach. So viele? Das Leben ist nun einmal ungerecht, aber nächste Woche habe ich, ich, ich wenigstens – ja, Urlaub.

Freitag, 24. August 2007

»Du siehst echt nicht gut aus.«
»Danke für dieses wundervolle Kompliment.«
»Du siehst so aus, als wenn du Urlaub gebrauchen könntest.«
»Und Schlaf?«
»Und Schlaf, genau.«
»Du hast ja Recht. Aber weißt du was?«
»Was?«
»Falls du es noch nicht mitbekommen haben solltest: Heute ist mein letzter Arbeitstag.«
»Doch, das erwähntest du schon einige Male. Und wirst du während deines Urlaubs etwas schreiben?«
»Für diese Website hier? Wahrscheinlich nur unregelmäßig.«
»Ganz schön faul.«
»Ich würde es anders ausdrücken: »Chill & Couch«. Das ist mein Motto.«
»Das ist eine Sendung, die gestern lief. Hast du keinen Fernsehtipp für heute?«
»Nö, ich habe jetzt Urlaub.«



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Till Frommann

Geboren 1978 in Wolfenbüttel und fragt sich seitdem, was das alles soll. Also: Was soll das alles? Studierte ein paar Jahre zu lang Philosophie in Braunschweig, aber auch das gab keine [..]

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