»Dennoch hat es Bundesumweltminister Jürgen Trittin nicht geschafft, ein einheitliches System aufzubauen. Die EU prüft deshalb eine Bestrafung, der Einzelhandel warnt vor chaotischen Zuständen.« (SPIEGEL ONLINE).
Damit genug der Medienschelte. An dieser Stelle mein Lob dem, an den ich zuletzt gedacht hätte, dem Herrn Trittin nämlich. Der sitzt im Öffentlich-Rechtlichen Morgenmagazin und plaudert von einem Spandauer Kioskbesitzer. »Ich mach jetzt nur noch Mehrweg«, habe der gesagt, und das, dürfe man nicht vergessen, sei ja auch Sinn und Ziel der Sache.
Chaos mit System, logischerweise keinem einheitlichen. Von oben verordnet. Das Herz geht einem auf. Ich meine es ernst. Keiner macht mit beim bundesweiten Dosenpfand, und deswegen fliegen die Dosen aus den Regalen. Filmreif.
In der Tat scheinen viele Verbraucher »Sinn und Ziel der Sache« vollkommen vergessen zu haben. Anstatt eine (leider pfandfreie) Einwegflasche Champagner zu köpfen, flattern sie aufgescheucht um Regale herum, in denen sich einstmals Dosen stapelten. Hier ist nun ausreichend Platz für zum Beispiel Biere in Klarglasflaschen. Der kleine grüne Partner unserer Regierung hat einen großartigen Erfolg auf halber Breite errungen.
Was hatte ich mich gefreut, als ich vor einigen Wochen zum ersten Mal auf einem großflächigen Hochglanzplakat in einem Supermarkt las, man würde wegen der neuen Zwangspfandverordnung für Einweggetränkedosen nunmehr ganz auf deren Ausgabe verzichten. »Glückwunsch, mein lieber Jürgen, das hast du gut gemacht«, dachte ich noch bei mir.
Dass es hier und da unsinnige, anderswo auch kundenorientierte sinnvolle Insellösungen mit vornehmlich Einweggetränkedosen gibt, mag den Genuss schmälern, aber versalzen kann es die Suppe schwerlich. Zwar bleibt jede Verpackung nach wie vor Müll mit Inhalt, aber ein kleiner Anfang ist gemacht. Und wie fix das ging. Erinnern Sie sich noch an den Zeitplan für den Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie?
In Zukunft werden also deutlich weniger Dosen die Landschaft verschandeln. Hervorragend. Auf meiner Liste noch zu vollbringender Wunder unseres Umweltministeriums stünde dann übrigens als nächster Punkt die Einführung eines Zwangspfandes für Zigarettenfilter. Das dürfte weit wirkungsvoller sein als die neue Verordnung, nach der annähernd die Hälfte einer Zigarettenschachtel aus Warnhinweisen bestehen muss. Das wird zwar eine Belebung der Zigarettenetui und Zigarettenschachtelhüllen herstellenden Branche zur Folge haben, den Rauchern aber stinkegal sein. Kennen Sie nur einen einzigen Raucher, der nicht um die Gefahren des Rauchens wüsste? Wen interessiert das? Interessant sind Riesenarschlöcher, die vor roten Ampeln ihre Autoaschenbecher ausleeren.
Ich sage Ihnen, ein Kippenpfand würde Wunder bewirken. Natürlich würde der Einzelhandel wieder warnen, Aldi und Lidl würden nur Hausmarken annehmen müssen, Spar würde weiter brav Spielgeld austeilen und Lekkerland würde vielleicht ein kleines »P« auf die Glimmstengel kleben. Und dann gäbe es da noch die Insellösung:
Insel aussuchen, alle Dosen und Kippen rauf, fertich!