Diese Kolumne lässt sich auch hören!
»Suche neue Lieblingsband oder
Vom seichten Leiden eines Fans (2)« vorgetragen von Kerstin Pollmann
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War noch nie ein Freund der Vereinsmeierei. Kann mich nicht erinnern, jemals großartig Mitglied von Irgendwas gewesen zu sein. Na doch, da war was. War ich nicht mal Mitglied im Micky Maus-Detektivklub? Weiß nicht mehr genau. Aber beim Deutschen Bund für Vogelschutz, wie er damals noch hieß, hab ich einige Jahre mitgemacht. Nistkästen säubern, Sie verstehen, unterwegs in umweltfreundlicher Mission.
Immerhin leiste ich mir noch einen Fanklub, kindischerweise. Genauer gesagt, die Mitgliedschaft in einem. So erfuhr ich just per E-Mail, es gäbe zukünftig keine Ausgaben des Heftchens vom Suede Information Service mehr. Die Mitglieder der Band haben nämlich beschlossen, jetzt mal solo weiterzumachen. Ach so. Gelassen begreife ich, dass es aus ist. Früher wäre ich daran wahrscheinlich zerbrochen, aber ich bin eben auch nicht mehr der Fan, der ich einmal war. Trotzdem Zeit für einen Aufruf in eigener Sache.
Dringend gesucht: neue Lieblingsband, weil die alte nicht mehr macht!
Gibt es eigentlich Pizzicato Five noch? Das mit der neuen Lieblingsband wird sicher nicht schwierig werden. Schließlich darf jemand, der wie ich das Hamburger Konzert von Erasure im April 1987 ernsthaft für einen Meilenstein des Pop hält, auch nicht zu viel erwarten? Im Parlament meines Musikgeschmacks hat bei der letzten Wahl die Nostalgie erstmals die absolute Mehrheit erreicht.
Zum Glück lässt sich trotzdem trefflich über Geschmack streiten, nur über meinen eigenen nicht, versteht sich. Zur Veranschaulichung nehme ich den Soundtrack zu Herrn Lehmann aus dem CD-Spieler. Wusste vor zwei Jahren auch noch nicht, dass der Sänger auf einem der schönsten deutschsprachigen Alben überhaupt Sven Regener heißt. Lege stattdessen Martin Gores Interpretation vom »Lied vom einsamen Mädchen« im neo-ambienten »Lawrence Remix« ein. Diese wabert dann gleich einige Male warm und hell durch den Raum. Endlich zuhause.
Wer malert da eigentlich seit Tagen den Hausflur? Stümperei. Na, was solls. Vielleicht sind die Maler im Hausflur ja der Grund, warum der Paketbote sich nicht mehr zu mir in den vierten Stock bequemen mag? Immerhin trudelt nach vier botenlosen Tagen eine Benachrichtigungskarte ein: »Ich konnte Sie am ... um ... leider nicht antreffen«. Natürlich nicht. Ich konnte nämlich leider nicht wie abgesprochen mit roter Nelke vorm Rathauskeller sein, weil mir was dazwischenkam: hatte den halben Tag zuhause auf den Paketboten gewartet. Grrrr.
Das Internet schafft es aber gerade noch die Leitung rauf. Jeden Montag surfe ich SPIEGEL ONLINEs Kolumne »Abgehört« an, wo die »fünf wichtigsten CDs der Woche« besprochen werden. Diese Woche wurde erst am Mittwoch etwas draus. Leider hat Rezensent Wigger mal wieder verpennt, einem frischen Silberling eine dritte Chance zu geben, wenn dies bei Kylie Minogues neuer CD auch nicht angebracht erscheinen mag.
Mir egal. Während der letzten Tage kam ich im Zuge einer irre langen Sache dazu, durch dreimaliges Hören des Albums Body Language mein eigenes Urteil von »Dreck!« zu relativieren nach »Musik«. Und das meine ich sehr positiv. Es klingt nur nicht mehr richtig nach Frau Minogue. »Habe es leider nicht rechtzeitig zur Aufnahme geschafft, fangt schon mal ohne mich an. Tschulli, Kylie«. Oder was? Was hat die Gute mit ihrem Stimmchen angestellt? Wo bist du, Kylie? Immerhin, kurze CD. Das weiß ich längst zu schätzen.