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»Heute alles Muzak oder
Vom seichten Leiden eines Fans (1)« vorgetragen von Kerstin Pollmann
(Bitte beachten Sie unseren Rechtevorbehalt).

23.11.03

Guido Grigat

Heute alles Muzak oder
Vom seichten Leiden eines Fans (1)

Fahrstuhlmusik. Rauschen. Perfekt produzierte Preluders verkaufen ihre Singles bei McDonald's. Faust auf Auge! Fast Food – Fast Music. Wegwerfmelodien. Schlimm schlimm. Aber da gerade die ProSieben-Popstars noch so eben als der Weizen zwischen aller deutschen Castingshow-Spreu gelten dürfen, ist alles nur halb so schlimm. Bitte mal von der Namensgebung absehen! Aua.

Am Samstag Abend läutete RTL bereits die heiße Phase der zweiten Staffel »Deutschland sucht den Superstar« ein. Ja, such, Deutschland! Such! Kerle na. Frage: Was macht dieses »Mottoshow« genannte Format aus, bei dem dreizehn junge Menschen mit ihren Stimmlein den Einlauf der Gladiatoren geben? Die Antwort finden wir am Ende der Sendung, und damit kommen wir auch zum Guten daran. Da sitzt (Michelle Hunziker: »Meine Popikone«) Dieter Bohlen umrahmt von seinen eigenen Schneehasen-Chören und grinst so breit, dass ich bereits anfange, mir ernsthaft über einen 16:9-Fernseher Gedanken zu machen. Ganz in weiß. Glorie überall. Ein so schönes Bild. Ein so ehrliches Bild. Ein Mann sitzt an seinem Klavier und man sieht ihm an, dass er bereits die Kassen klingeln hören kann. So offen vorgetragene Freude über den zu erwartenden Erfolg der neuen DSDS-Single nötigt mir allen nötigen Respekt ab.

Dieter Bohlen

Honigkuchen

Screenshot RTLwebclips

Herr Bohlen hätte auch gleich im Honigkuchenkostüm auftreten können. Wie gesagt, zauberhaft. Singen die dieses Jahr wieder zur Vierschanzentournee? Was hält eigentlich Deutschlands amtierender Superstar Alexander davon? Wer weiß? Schneehase von gestern.

Nun aber endlich Sonntag. Ach, bevor ich es vergesse: Danke, Deutschland, dass mir ab heute wenigstens Superstar-Lehrling Rickie erspart bleibt. Manchmal klappt das noch mit der Zuschauerfrage. Außerdem war die Show eine schöne Bestätigung, dass auch heutzutage Vergewaltigung richtiger Lieder, denen Arrangements und Kompositionen zugrunde liegen, nicht ohne Folgen bleiben kann. Zweieinhalb Minuten reichen für viele Popsongs vollkommen aus; eine Minute dagegen ist im Regelfall zu wenig. Diese Miniversionen nerven, vor allem den, der um die Originale weiß. Ich selbst glaube gerne, dass jeder Song seine eigene, kleine Ouvertüre haben darf. Bei DSDS jedoch muss ich traurig mit anhören, wie die Darbietenden kaum über einen einzelnen Refrain hinauswachsen. Darüber, dass sowieso nichts Original und alles nur Kopie ist, müssen ja ohnehin keine Worte verloren werden.

Zum Schluss noch eine schöne Szene aus der Fernseh-Ratesendung Familienduell: »Nennen Sie eine Tätigkeit, bei der Sie nebenher Radio hören« – »Fernsehen gucken«.

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Guido Grigat erblickte 1969 in Toronto das Licht einer Welt, die darüber nicht so aufgeregt war wie über die soeben geglückte Mondlandung Armstrongs.

Anfang der Neunziger einige Bissen [..]

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