
Tschernobyl
Foto von Charles Hawley
Heute ist großes Tschernobyl-»Jubiläum«. Und wenn auch der Jubel auszuhalten ist und im Gegenteil in den letzten Wochen ein etwas unheimliches »Retro«-Gefühl aus einer Zeit vor 20 Jahren durch die Medien geistert, aus einer Zeit, als der größte Krieg eiskalt war, bleibt bei alldem ja leider doch nur eine einzige bestürzende Analyse, die natürlich deshalb keine Analyse genannt werden kann, weil sie eine Binsenweisheit ist: Niemand lernt.
Der lauwarme Atomausstieg – neben dem Dosenpfand einziges im Gedächtnis haftendes Vermächtnis der grünen Machtteilhaber der letzten Regierung – rückte – auch im Zeichen pausewangscher Kinowolken – ein wenig bedrückend die Welt ins reale Licht: Es tut sich viel, doch was ändert sich schon?
Wer würde auch – obwohl ich es wirklich hasse, wenn jemand Hiroshima mit Tschernobyl vergleicht, weil es da nichts zu vergleichen gibt, aber dennoch: – wer würde also auch ernsthaft nach so vielen Jahren Weltgeschichte (um den furchtbaren Vergleich doch zu vermeiden) noch glauben, sie, die Geschichte, wiederhole sich nicht permanent, ja geradezu schicksalhaft?
Wenn der Iran auf sein Uran pocht, 60 Jahre nach Hiroshima und 20 Jahre nach Tschernobyl, hat das eine plötzlich doch mit dem anderen zu tun. Noch eine Binsenweisheit: Alles wird besser, aber nichts wird gut. Wir scheinen ohnmächtig dem Diktat der Binse ausgeliefert. Wortspiele statt Taten.
Wir haben eben die Mittel noch immer nicht, einfach aus der Kernenergie auszusteigen, welche, die Lobbyisten werden es wohl in alle Ewigkeit leugnen, auch ganz ohne Gaus nicht gerade dafür bekannt ist, nachhaltig zu sein. Nachhaltig!
Wir haben nicht die Mittel. Das heißt: Wir haben nicht die Eier. Und nicht ein Fünkchen Verstand.