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19.05.14

Meike Haberstock

Wenn Eltern sprechen lernen: Sätze, die Kinderlose garantiert NIE sagen werden

Fast alle von uns kennen die netten und lustigen Geschichten und Anekdoten über kleine Kinder, die mit dem Sprechen beginnen. Bis die Worte »Pferdewette« oder »Schraubenschlüssel-Satz« problemlos und sauber über die Lippen kommen, kann es ein wenig dauern. Zum Glück ist die Zeit bis dahin voll mit den kleinen Versprechern und Nuschlern, an die man sich als Eltern gerne und lange erinnert.

Meine aktuellen Lieblingsworte meiner zweijährigen Töchter sind »Schmettel« (für Schmetterling) und »Strumse« (für Strumpfhose) und auch mein zehnjähriger Sohn freut sich wie Bolle, wenn seine Schwestern ihm fröhlich nachsprechen: »Scheiße, Mist und Pferde-AA...«

Viel Schönes haben auch die Drei- und Vier-Wort-Sätze im Stil von Meister Yoda, die meine Töchter ununterbrochen von sich geben: »Da Vogel müde!« (Über die tote Taube auf der Straße), »Großer Hund lieb nicht!« (Über den angebunden Kläffer vor dem Supermarkt.). Und wenn sie nicht gerade quasseln, singen meine Töchter »Häschen klein, ging allein!«, oder wundern sich, dass sie während unserer Schiffsreise keine »Meerweinchen« auf hoher See entdecken. Oft fordern sie auch so lange und lautstark ihr Lieblinsgmärchen, bis ich entnervt zustimme – und wieder die Geschichte vom »Rotkälbchen« erzähle.

Parallel zur Sprachentwicklung meiner Kinder lerne aber auch ich Sätze zu sagen, die ich in meinem grauen Vorzeit-Leben als Kinderlose niemals ausgesprochen hätte. Nicht, weil ich nicht gewollt hätte – ich rede ab und an mal ganz gern, auch ganz ohne Grund. Aber für die folgenden wütenden, lustigen, peinlichen oder auch verzweifelten Sätze hätte ich ohne meine drei wunderbaren Kinder niemals Gelegenheit gehabt.

Meine All-Time-Favorites der universellen Eltern-Sätze:

Zum Chef:

»Ich bin schwanger.«

Zur Sekretärin vom Chef:

»Meinst du, er hat sich nächste Woche wieder eingekriegt? Ich nehm’ sonst erst mal meinen Jahresurlaub ...«

Zum Partner:

»Hast DU das Kind mit Leberwurst eingecremt?«

Zum Partner, im IKEA, nach der 3. Lautsprecherdurchsage:

»Ach, komm’! EINEN Kaffee können wir schon noch trinken ... die sind doch geschult für solche Situationen!«

Zum fünfzehnten Mal heute:

»Nein, der Fernseher bleibt jetzt verdammt noch mal stehen!«

Im Bus, nach einer Kurve, zum Mann gegenüber:

»Keine Sorge, Möhre, Apfel und Zwieback gehen bei 40° ganz einfach raus. Grundsätzlich gilt das übrigens auch für alles andere Erbrochene ...!«

Im Café, zum eigenen Kind, leise:

»Nein Schatz, der dicke Mann da bekommt kein Baby.«

Zum Passanten ohne Respekt vor dem persönlichen Nahbereich von Kleinkindern:

»Wenn du mein Kind noch einmal ungefragt anfasst, reiße ich dir den Kopf ab und piss’ dir in den Hals.«

Zur Kassiererin:

»Ähh, kann ich bitte den Pflanzendünger, die zwei Pfund Gummibärchen, die Haartönung in Kupfer, die Glühbirnen und den XXL-Teddy hier bei Ihnen lassen? Die Sachen muss mir irgendein Verrückter in den Wagen geworfen haben ...!«

Zu einer Oma auf dem Spielplatz:

»Das blonde Kind da in der rosa Jacke ist das schönste Kind, dass Sie je gesehen haben? Ach, vielen Dank. Ja, das ist meins!«

Zu einem Verkäufer in einem Deko-Laden:

»Das blonde Kind da in der rosa Jacke, das gerade den großen Porzellanhund umparkt? Nein, keine Ahnung zu wem das gehört!«

Zu irgendwem, irgendwann und irgendwo in einem Freizeitpark:

»Haben Sie mein Kind gesehen? Es ist ungefähr sooo groß, hat Eisflecken auf der rosa Jacke und eine Rotznase.« »Was sagen Sie, ALLE Kinder sehen so aus?« »Es ist das SCHÖNSTE von ALLEN, Sie Ignorant!«

Zum Kind, während des Anziehens:

»Das nennt man BH, Schatz. Nicht Brustbeutel.«

Zum Kind, in der Straßenbahn, leise:

»Nein, Hase, ich glaube nicht, dass der Klabautermann so aussieht wie die Frau, die du da anstarrst!«

Zur Mutter eines Kindes im Kindergarten:

»Wenn deine dicke Tochter noch einmal heimlich die Butterbrotdose meines Sohnes leerfuttert, dann, dann, dann ...!«

Zum Partner:

»Wusstest du, dass 100 Euro-Scheine nach Vanille schmecken?«

Zu sich:

»Ein Königreich für zwei Kita-Plätze.«

Zu meinen Kindern:

»Was würde ich nur ohne euch tun?«

Kinder zu mir:

»Schlafen!«



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Meike Haberstock

Meike Haberstock, Jahrgang 76, hat viel studiert und nichts Ordentliches (O-Ton der Nachbarn ihrer Eltern) gelernt. Deshalb arbeitet sie seit vielen Jahren als CD Text/Konzeption in deutschen [..]

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