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03.08.12

Guido Heyn

Kopf oder Zahl – Olympiasieg per Losentscheid

Haben Sie das gesehen?! Bei Olympia, das Degenhalbfinale zwischen der Deutschen Britta Heidemann und der Koreanerin Shin A Lam? Das war ein Hammer – und spannend bis lange nach Ende des Kampfes. Gut, ein Großteil der Spannung kam ganz einfach durch die wirklich interessanten Regeln im Fechten zu stande, die wohl kaum ein Zuschauer vorher so im Detail kannte. Kurz zur Erklärung: Falls nach Kampfende kein Sieger feststeht, gibt es eine Verlängerung. So weit klar und nachvollziehbar. Gibt es dann aber immer noch keinen Sieger, gilt der Losentscheid, der bereits vor dem Kampf stattgefunden hat.

Also noch mal im Klartext: Wer Sieger wird, entscheidet in solch einer Situation das Los. Sie finden das jetzt vielleicht schockierend, dass etwa ein Olympiasieger durch das Zufallsprinzip gekürt wird. Ich hingegen nenne das den richtigen Ansatz. Überlegen Sie doch mal wie viel Kosten, Aufwand, Zeit und Mühe man generell bei Sportwettkämpfen sparen würde. Kein einziger Sportler müsste je wieder schwitzen oder reisen oder überhaupt auf andere Sportler treffen. Und nicht nur bei Olympia, auch bei der Champions Leaque, der Fußball-EM und im Boxen. Jeder Sportler beziehungsweise jede Mannschaft bekommt vorher ein Los und dann geht's ab an den Roulette-Tisch. Rien ne va plus.

Für mich sollte dieses wirklich faire System des Losentscheids aber nicht nur auf den Sport begrenzt bleiben. Ich denke da natürlich an Bundes-, Landtags- oder Bundespräsidentenwahlen. Die Amerikaner etwa könnten all die Millionen Dollar, die der Wahlkampf dort kostet, in das Gesundheitssystem investieren. Ja selbst die Wahl des Ehe-, Lebensabschnitts- oder des temporären Geschlechtsaktpartners könnte so auf ganz einfache und objektive Art und Weise fallen. Wie viel entspannter könnte unser aller Leben werden. Wenn man sich denn endlich nur dem Los hingäbe. Mal ehrlich: Man macht sich im Leben doch eh viel zu viele Gedanken und versucht irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Sei es die Berufswahl, das Essen im Restaurant, die Kleidung zum entsprechenden Anlass etc.

Und auch für mich als Kolumnisten würde der Losentscheid einen entscheidenden Vorteil mit sich bringen: Sie müssten als Leser nicht mehr darüber nachdenken, ob Ihnen dieser Text jetzt gefallen hat. Nein, Sie lassen ganz einfach die Münze entscheiden. Bleibt nur noch die Frage: Wie entscheiden Sie jetzt, ob Kopf oder Zahl für »gut gefallen« oder »so ein Mist« steht? Mein Tipp: Fragen Sie die Funktionäre beim Fechten, die kennen sich mit solch kniffligen Entscheidungen bestens aus.

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Guido Heyn

Geboren? Ja. Und zwar in Berlin, damals noch im fernöstlichen Teil. Ein 69er ist er. Er hat damals aber nur gegen dreckige Windeln demonstriert.

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