Zur Druckversion

09.03.03

Guido Heyn

Die Kamera für die spannendsten Momente

Auf der Jagd nach einer kleinen praktischen Digitalkamera – man muss ja mit der Zeit gehen – stolperte ich bei ebay über folgenden anpreisenden Text:

»NEU UND ORIGINAL VERPACKT MIT GARANTIE!! Dies ist wohl die kleinste Digitalkamera, die derzeit auf dem deutschen Markt gehandelt wird. Diese Mini-Digitalkamera ist der absolute Hit und wird in Europa sehr stark gehandelt. Das Besondere dieser Kamera steckt im Detail: Halten sie die schönsten Augenblicke im Bild fest. Aber auch in kritischen Situationen leistet Sie wertvolle Dienste: Autounfall, Versicherungsschaden, Naturkatastrophen. Kurzum ein Begleiter für überall.«

Naturkatastrophen?! Warum hat der Anbieter nicht auch gleich noch Krieg hinzugefügt, würde doch aktuell gut passen. Oder Terroranschläge, oder Demonstrationen: ... Versicherungsschaden, Naturkatastrophen, Terroranschläge, Krieg, Demonstrationen, oder gar prügelnde Polizisten: Diese Kamera ist immer griffbereit und hält die spannendsten Momente fest.

Apropos fest, bei Festnahmen in Frankfurt muss man ja jetzt besonders aufpassen. Zu schnell kann es da beim Verhör zur Androhung von Gewalt, Folter oder vielleicht sogar Schlimmerem kommen. Angesehene Richter in höchsten Positionen äußern zu dieser neuen – alten – Form des Verhörs ihre Zustimmung. Fragt man sich doch: Will man von so einem Richter gerichtet werden? Darf so jemand überhaupt das Richteramt bekleiden? Und was ist mit der Verfassung?

Aber was soll's. Da gibt es einen Mann, der ist Präsident – wenn auch nicht rechtmäßig gewählt – und es scherrt jetzt auch niemanden mehr, ob er dieses Amt überhaupt bekleiden darf. Und kaum im Amt, will er auch schon in den Krieg ziehen.

Ich hoffe ja immer noch, dass es dazu nicht kommt, auch wenn er jetzt schon äußert: Ohne UN-Mandat, machen wir es halt nur mit den »Willigen«. Sprich, mit den Staaten, die man u.a. auch günstig dafür einkaufen konnte.

Wie heißt es doch in dem uralten Film »Die Marx-Brothers im Krieg«: »Wir können den Krieg nicht absagen, wir haben das Schlachtfeld schon für zwei Jahre im Voraus bezahlt.« – Wie wahr.

Kontakt

Schreiben Sie einen Leserbrief an Guido Heyn.

Foto: Guido Heyn

Guido Heyn

Geboren? Ja. Und zwar in Berlin, damals noch im fernöstlichen Teil. Ein 69er ist er. Er hat damals aber nur gegen dreckige Windeln demonstriert.

Nach zehn Jahren der Drillroutine der [..]

Ausgewählte Kolumnen von Guido Heyn

Zur vollständigen Vita und allen Kolumnen von Guido Heyn