US-Präsident Obama steht vor einer Herausforderung, gegenüber der Finanzkrise und Irakkrieg wie Killefitz erscheinen: Er soll den Japanern vernünftiges Englisch beibringen. Dazu hat er eine Lernfibel publizieren lassen – leider ging die Übersetzung schief.
Cicero (»ceterum censeo«), Kennedy (»Berliner«), Stoiber (»Äh«) – sie alle waren Titanen der Rhetorik. Doch gemessen an US-Versdrechsler Barack Obama sind sie allesamt lispelnde Langweiler. Seine Wortgewalt ist legendär, seine Zitate begeistern die Millionen: »The audacity of hope!«, »Change we can believe in!« und »Why can't I just eat my waffle?«
Alle lieben Obamas Rhetorik; aber niemand vergöttert seine Ergüsse mehr als die Japaner.
Das Buch »Die Reden Barack Obamas« steht laut Reuters seit Wochen auf Platz eins der japanischen Bestsellerlisten. Das zweisprachige Werk wird als Lehrbuch vermarktet: Mit Baraku-sans Hilfe wollen die Japaner endlich English lernen.
»Reden von Präsidenten sind exzellent zum Sprachenlernen, weil der Inhalt gut ist und die Worte einfach zu verstehen sind«, sagt Yuzo Yamamoto von Asahi Press – jenem Verlag, der sich an der Obama-Fibel derzeit eine goldene Nase verdient.
Einem Obama, das ist zuletzt überdeutlich geworden, gelingt praktisch alles – aber gelingt ihm auch das? Ein marodes Finanzsystem zu sanieren oder den Krieg gegen den Terror zu beenden, das sind überschaubare Aufgaben. Aber Japanern Englischkenntnisse vermitteln? Das gilt gemeinhin als genauso hoffnungslos wie der Versuch, den Deutschen Stilempfinden und Feingefühl einzudreschen.
Auch diesmal wird es wohl nichts. Hunderttausende kleine rote Obama-Bücher sind bereits im Umlauf – doch bislang fiel niemandem auf, dass die Übersetzung komplett daneben gegangen ist. Wie denn auch? Schließlich versteht keiner der Käufer Englisch.
Als abgebrochener Student der Ostasienwissenschaften habe ich da natürlich völlig andere Recherchemöglichkeiten und kann nun aufdecken, dass Obamas Reden beim Asahi-Verlag im falschen Posteingang landeten. Nicht der für angelsächsische Literatur zuständige Übersetzer bekam die Texte in die Finger – sondern die berüchtigte Abteilung für Gebrauchsanleitungen.
Deren Wortmetzger zeichneten in der Vergangenheit bereits für das international geächtete Werk »Puffmatte« verantwortlich. Kostprobe: »Entrollen die Puffunterlage und liegen auf ihr, dann wird sie von der Wärme sich Inflation bekommen.«
Ich habe die Traduktionen einiger Obama-Texte aus dem Japanischen rückübersetzt. Das Ergebnis ist erschütternd. Hier der erste Absatz aus Obamas Antrittsrede:
»Mitwürgers, heute ist unsere Aufgabe, hier bin ich gedemütigt vor das Vertrauen der Talente, dank der Aufmerksamkeit auf die Opfer unserer Vorfahren.«
Der Rest ist noch schlimmer. Millionen Japaner glauben nun beispielsweise, der US-Präsident warne die Welt vor der »Dreistigkeit der Hoffnung«. Auch Obamas Kampagnenmotto verliert in der Asahi-Ausgabe arg an Zugkraft. Hätte er die Wahl gewonnen, wenn er seinen Landleuten den Satz »Wechseln uns kann innen glauben!« zugerufen hätte? Wohl kaum.
Ein schwacher Trost besteht darin, dass den Japanern selbst dieser Radebrech-Obama gefällt »Die Leser«, so Yuzo Yamamoto, »schicken uns Postkarten und sagen, sie seien in Tränen ausgebrochen, obwohl sie kaum Englisch verstehen.«
Wer also demnächst vor dem Heidelberger Schloss eine japanische Reisegruppe trifft, die im Chor »Ja, uns könnt!« ruft – der weiß zumindest, was gemeint ist.