Kaum eine Woche war ins Land gegangen, nachdem ich mit meinem ersten Beitrag auf kolumnen.de meine schriftstellerische Jungfräulichkeit abgestreift hatte. Nicht, dass ich für Lob nicht empfänglich wäre, aber am Sonntagabend war ich doch perplex.
Bevor ich zuerst den Computer und anschließend mich selbst in die Nachtruhe verabschieden wollte, schaute ich noch einmal hier herein. Ein letzter Blick am Abend, ob es was Neues gab auf kolumnen.de. Eine Gute-Nacht-Geschichte zum Ausdrucken. Und die gab es in der Tat. Der Titel verschlug mir die Sprache, was so spät am Abend nicht von Nachteil sein muss. Geschwätzigkeit im Schlaf ist immer eine heikle Angelegenheit. Das kann Ärger geben, wenn jemand zuhört. Das Betthupferl hat mir auch nicht geschadet, abgesehen davon, dass ich schlecht einschlafen konnte. Immer wieder fasste ich mir an den Kopf und suchte nach dem Heiligenschein, denn sowas kann unbequem drücken.
Durchs Wurmloch zu Jesushuebner Unterhose war Magdi Aboul-Kheirs neue Kolumne überschrieben.
Jesushuebner!?
Das war zu viel für meine Bescheidenheit. Mein Vorname ist Joachim, nicht Jesus. Auf einem ganz anderen Blatt steht, dass viele, die mir begegnen, bei meinem Anblick spontan »Oh Gott!« rufen. Aus ihren Blicken funkelt dabei allerdings so gar keine Bewunderung, sondern eher blankes Entsetzen. Aber die sollen doch gucken, wie sie wollen, solange sie mich so schätzen.
Jetzt bitte nicht dazu auch noch Jesushuebner.
Jesus hat schon genug durchgemacht. Mich als Anhängsel, das wäre weiß Gott zu viel für ihn.
Wert auf diese Anrede lege ich nicht. Da bin ich anspruchslos. Selbst nach meinem Tod will ich keine großen Umstände. Eine Pyramide genügt vollkommen. Dann kommt zu meinen Lebzeiten auch kein Vergleich mit Jesus in Frage.
Damit ist es aber wohl ohnehin vorbei. Schon am nächsten Morgen war die Welt wieder in Ordnung, vielleicht nicht im Allgemeinen, aber immerhin was mich betraf. Alles war nur eine Computerpanne. Huebner hatte noch im Zwischenspeicher gesteckt und sich statt eines Apostrophs in den Text gemogelt. In der neuen Kolumne ging es um Jesus' Unterhose, und nicht um die Dessous eines gewissen Jesushuebner. Über diese Erklärung will ich nicht länger nachdenken, denn auch wenn ich nicht unbedingt mit Jesus verbandelt werden muss, braucht es ja andererseits stattdessen nicht gleich ein Auslassungszeichen zu sein. Hübner? Dafür setzen wir besser einen Apostroph. Das sind Höhen und Tiefen!
Für Jesus ist es nichts Neues, bei Erschrecken zitiert zu werden. Jeschusch-Maria heißt das in slawischen Sprachen, die Engländer stöhnen verzweifelt ein Jesus, und die Deutschen kürzen herrje ab, was nichts anderes ist, als die Kurzform von Herr Jesus.
Falls ich mich wieder einmal aufrichten muss, kann ich ja immer noch nach Jesushuebner googeln. Da wird nichts vergessen. Ein paar Stunden auf kolumnen.de haben gereicht, um dem Suchwort im Netz zur Ewigkeit zu verhelfen.

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