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13.02.07

Tobias Kaufmann

Betr.: Atomprogramm

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Russen, Chinesen und Japaner, verabscheuungswürdiger Präsident Bush, lieber Genosse Kim,

hiermit kündige ich den Beginn eines Programms zur Entwicklung nuklearer Waffensysteme an. Ich habe zu diesem Zweck bereits einen pakistanischen Ingenieur unter Vertrag genommen, der morgen mit der Anreicherung von Uran in meinem Heizungskeller beginnen wird. Ein erster Test einer mächtigen atomaren Bombe ist für Mittwoch, den 11. Februar 2009 6:00 Uhr MEZ angesetzt. Entsprechende Baupläne hat meine Frau in der vergangenen Nacht aus dem Internet heruntergeladen. Unser offizieller Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag geht der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEO) in diesen Minuten per Fax zu.

Ich bekräftige, mit dem Projekt ausschließlich defensive und friedliche Absichten zu verfolgen. Ein wie auch immer gearteter Angriff auf das Studentenwohnheim schräg gegenüber ist nicht, ich wiederhole: nicht, geplant. Der Hinweis, dass wir die Existenz dieses Studentenwohnheims niemals akzeptieren werden, sei dennoch erlaubt. »Es existiert kein Studentenwohnheim, weder in der Realität, noch in der Vorstellung«, bekräftigte meine Tochter, die kleine Vorsitzende, in einem Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Ich fordere die Internationale Gemeinschaft sowie die eingangs erwähnten Adressaten auf, umgehend an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Meine Frau hat Apfelstreuselkuchen gebacken. Wir werden an dem Nuklearprogramm unter allen Umständen festhalten, denn wir sind auf privaten Atomstrom gerade in Zeiten des Klimawandels angewiesen. Dennoch sind wir unter bestimmten Umständen bereit, die Urananreicherung auszusetzen, unsere bisherigen Anlagen zurückzubauen, mit der IAEO zusammenzuarbeiten und sämtliche Unterlagen unseres Atomprogramms offenzulegen.

Diese bestimmten Umstände sind insbesondere: Die kostenlose Lieferung von Strom und Erdgas über einen Zeitraum von 75 Jahren sowie die Entlassung aus unserem Vertrag mit dem regionalen Energieversorger, da dieser finanziell Umfänge angenommen hat, die das Fortbestehen unseres familiären Regimes ernsthaft in Frage stellen. Sollte dieser Deal zu Stande kommen, bieten wir umfangreiche Sicherheitsgarantien: Wir werden die Bundesrepublik, China, Japan, Russland oder die USA nicht angreifen. Gegenüber Frankreich behalten wir uns jedoch bis zum Abschluss eines bilateralen Vertrages zur Lieferung von Cognac, Camembert, Champagner und Chin-Chin alle Optionen offen.

Hochachtungsvoll,
TK



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