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18.01.07

Tobias Kaufmann

Grande Nation mit Minzsauce

Mon Dieu, was für eine Vorstellung! Englischer Liberalismus im Duett mit französischem Essen, die Queen als französisches Staatsoberhaupt, britisch-französische Prinzessinnen, die witzig und tolerant wären, und zugleich so schön wie ein Sommertag in der Provence... Vor fünfzig Jahren hatte Frankreichs Premierminister Guy Mollet diese unglaubliche Idee. Die Dokumente über seinen Versuch, dem darbenden Frankreich 1956 ausgerechnet an der Seite des gehassten Bruders von der anderen Kanalseite wieder auf die Beine zu verhelfen, verstaubten jahrzehntelang in britischen Archiven. Die BBC hat die bisher übersehene Protokollnotiz der britischen Regierung nun hervorgezogen. Demnach hatte Mollet seinem Amtskollegen Anthony Eden vorgeschlagen, dass Frankreich dem Commonwealth beitritt und sich unter die britische Krone begibt. Statt US-Dominanz hätte der Welt ein goldenes, franko-sächsisches Zeitalter bevorgestanden!

Allein: Die historische Chance verging ungenutzt. Heute ist die Glaubensfrage »anglo- oder frankophil?« brutal wie eh und je. »Die spinnen, die Briten!«, sagt Obelix, der Comic-Gallier. Denn Briten kochen Wildschwein in Pfefferminzsoße, und sie trinken heißes Wasser mit einem Tröpfchen Milch (den Tee haben ihnen erst die Gallier gebracht). Ständig sagen sie »Gute Güte!« oder »Es ist schockierend. Ist es nicht?«

Aber auch umgekehrt – nur Hohn und Spott. »Seid ihr Franzosen?«, brüllt König Artus in Monty Pythons Film »Ritter der Kokosnuss« feindseligen Rittern entgegen – und diese antworten: »Natürlisch! Wo'er 'ätten wir sonst diesen dämlischen Aksson?« Das alles könnte längst überwunden sein. Aber seien wir ehrlich: Selbst wenn Mollets Idee geklappt hätte, wäre sie bestimmt zum Albtraum geworden: Französischer Staatskapitalismus mit englischem Essen und humorlosen Prinzen, die aussehen wie Chirac. Außerdem wäre uns die großartige Pointe aus dem Film »Johnny English« entgangen. Darin sagt der britische Komiker Rowan Atkinson auf der Party eines bösen Franzosen: »Die einzige Gelegenheit, bei der Franzosen Gastgeber sein sollten, ist eine Invasion!«

Engländer und Franzosen, das passt einfach nicht zusammen. Das ist so, als würde Union und SPD gemeinsam eine große Gesundheitsreform gelingen.

Diese Kolumne erschien zuerst am 17.1.2007 im Kölner Stadt-Anzeiger



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