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20.06.07

Tobias Kaufmann

Englisch für Babys

Wir sind Rabeneltern. Als unsere Zwillinge im Bauch ihrer Mutter dümpelten, haben wir es versäumt, sie rechtzeitig mit Licht zu bestrahlen. Nicht einmal Mozart-Musik haben wir auf den prallen Bauch rieseln lassen. Die Folgen unserer Gedankenlosigkeit werden wir spätestens merken, wenn wir die Zeugnisse mit den schwachen Mathe-Noten in Händen halten. Und die Vernachlässigung geht weiter. Das israelische »Baby-Einstein-Video«, das wir von einem Freund geschenkt bekommen haben, durften unsere Zwillinge noch nie sehen – dabei sind sie schon neun Monate alt. Sie wachsen sogar einsprachig auf! Was soll bloß aus ihnen werden in einer globalisierten Welt?

Gott sei Dank gibt es jetzt eine Lösung. In der Krabbelgruppe unserer Babys warb eine andere Mutter neulich für Neugeborenen-Englisch-Kurse. Frei ab drei Monate. Die Engländerin Helen Doron hat sich das ausgedacht, und dank eines Franchise-Systems steht "Helen Doron´s Early English" auch deutschen Eltern zur Verfügung, die sich um ihren Nachwuchs besonders bemühen.

Im »neuen und einzigartigen« Kurs »Baby's Best Start« (BBS) lernen Babys und Eltern »gemeinsam Lieder, Aktivitäten, Reime, Rhythmen und jede Menge über die frühkindlichen Entwicklungsstadien«. Gerade über Letzteres wissen Babys ja in der Regel viel zu wenig. Mit dem BBS wird die Eltern-Kind-Beziehung schon ganz früh um die Erfahrung erweitert, dass es mehr zu entdecken gibt als nur die Muttersprache. Damit unsere Babys bald polyglott brabbeln können (»bababababa« plus »bäbäbäbäbä«?) , benötigen wir nichts weiter als Zeit und Geld für eine 45-minütige Übungsstunde pro Woche – und folgendes Unterrichtsmaterial: vier Elternbücher, vier Babybücher und vier CDs.

Englischkurse für Babys, die noch nicht einmal selbständig sitzen können? Klingt das nicht ein bisschen sehr bemüht? Wir haben beschlossen, diesen überkommenen Reflex zu unterdrücken und uns zu bessern. Wir melden die Babys an. Englisch können sie immer gebrauchen, zum Beispiel, wenn sie in 15 Jahren das Damen-Doppel in Wimbledon gewinnen und eine Dankesrede halten müssen. Ab nächster Woche schicken wir die beiden nämlich zum Tennis. Mit Sport kann man bekanntlich auch nicht zu früh anfangen.



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