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Lutz Kinkel

Die neue Hundekotschaufel

Wer Ozzy Osbourne eine lebende Legende nennt, hat seine Show auf MTV noch nicht gesehen. Der "Prince of Darkness" humpelt derart mitleiderregend durch seine Villa in Beverly Hills, dass man unzweifelhaft von einer verwesenden Legende sprechen muss. Nur in wenigen, glücklichen Momenten füllt sich der drogenverseuchte Zellhaufen nochmal mit Esprit. Zum Beispiel an seinem Geburtstag, als Ozzy vor laufender Kamera ein Geschenk auspackte und freudestrahlend rief: "Der Prince of fucking Darkness hat eine neue Hundekotschaufel!"

MTV erzielt in den USA mit den "Osbournes" die höchsten Einschaltquoten seiner Geschichte, auch in Europa ist die Reality Soap ein Hit. Am 6. Dezember (2003) werden Ozzy und seine Tochter Kelly sogar bei "Wetten dass?" auftreten, Deutschlands populärster Dauerwerbesendung. Insider wollen wissen, dass Ozzy wetten wird, er könne zwanzig verschiedene Fledermaus-Arten am Geschmack ihrer Halsschlagadern unterscheiden. Wahrscheinlich werden die Tiere Plaketten mit dem CMA-Gütesiegel tragen, schließlich sind auch sie lecker Fleisch aus deutschen Landen.

RTL2 hat im Sommer versucht, den Erfolg der "Osbournes" zu kopieren und eine Doku-Soap über Jürgen Drews und seine Familie ins Programm geschoben. Doch das Experiment endete im Quotendesaster: Niemand wollte dem Schrumpelkönig von Mallorca dabei zusehen, wie er an seiner Haustür verzweifelt, weil er den Schlüssel vergessen hat. Bei den Osbournes spielen sich solche Nichtigkeiten auch ab, aber dann kotzt die betrunkene Tochter wenigstens auf den 10.000 Dollar teuren Fußabtreter.

Der Absturz der Drews hat die deutschen Sender belehrt, dass es keinen Sinn macht, Dokusoaps über B- oder C-Prominenz zu drehen – deren Alltag ist einfach zu öd. Die A-Prominenz wiederum, die wenigstens ein bisschen was zu bieten hat, zum Beispiel einen abgeknickten Dödel (Dieter Bohlen) oder Quickies in der Wäschekammer (Boris Becker), lässt sich hingegen nicht gerne von Kameras begleiten. Diese Menschen schreiben Bücher, das ist ungefährlicher.

So werden wir weiter auf einen deutschen Osbourne warten müssen – einen Menschen, der schon alles hinter sich hat, über alles zumindest noch stammeln kann und obendrein die Größe besitzt, die eigene Nichtigkeit mit Humor zu tragen. Genau das zeichnet Ozzy aus, den Prince of fucking Darkness mit der Hundekotschaufel.

Diese Kolumne ist Teil von "Ich glotz TV (Teil I)".

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Jahrgang 66, plante im Zwergenalter, in Oxford zu studieren und Showmaster zu werden – weil er Wim Thoelke ungeheuer beeindruckend fand. Aus diesen hochfliegenden Plänen wurde nichts. [..]

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