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»Man sollte« vorgetragen von Tom Wendt
(Bitte beachten Sie unseren Rechtevorbehalt).

26.09.05

Sebastian Klug

Man sollte

Manchen Tages sieht man sich mit diesen Situationen konfrontiert, in denen man sagt, dass man sollte. Sieht man beispielsweise einen Polizeihund an einen Streifenwagen urinieren, sollte man »eigentlich immer eine Kamera dabei haben«. Hat ein guter Freund einen unerwarteten Karrieresprung hinter sich gebracht, sollte man »eigentlich einen trinken«. Und wenn aus dem Stegreif heraus eine akute Hausstaubmilbenallergie die Atemwege unter Beschuss nimmt, sollte man »eigentlich mal wieder staubsaugen«.

Sollte man aber überhaupt sollen?

Pragmatisch betrachtet ist das Sollen das Gegenteil vom Tun. Hätte man getan, müsste man nicht sollen.

Finanziell betrachtet ist das Soll das Gegenteil vom Haben. Provokant reduziert: Wer soll, hat wohl nicht.

»Man sollte« bedeutet, dass man nicht hat bzw. nicht tut. Mein Freund Flo ist beispielsweise seit einigen Monaten der festen Überzeugung, er sollte sich ein Weblog einrichten. Meine Freundin Jana glaubt zu wissen, dass sie umziehen sollte. Ich weiß, dass ich mehr Sport treiben sollte. Warum wir alle es nicht tun, steht in den Sternen.

Würden wir nicht sollen, sondern würden wir haben und tun, hätten wir ja nichts mehr vor uns. Man sollte nicht nur sollen, man muss sogar.

Würde ich nicht Sport treiben sollen, würde ich ja bereits Sport treiben. Dann müsste ich wohl mehr Musik machen sollen. Würde ich sowohl viel Sport treiben als auch Musik machen, würde ich sicherlich etwas anderes sollen. Das geht jetzt endlos so weiter. A bisserl was geht immer, wie man beim uns in Bayern sagt. Et jibt immer wat zu tun, sagen die Berliner.

Mein Soll ist somit quasi mein potentielles Haben. Jetzt, hier und in diesem Moment könnte ich also in meine Soll-Ecke Verschiedenes hineinpacken. Zum Beispiel endlich einmal eine Musikkolumne mit Kurztexten beginnen. Oder endlich mal ganz klassisch eine Frau in der Disco abschleppen – fakultativ mit DER Frage schlechthin, ob sie denn ganz alleine hier sei. Oder mir endlich den Videoschnitt beibringen. Oder einfach joggen. Oder staubsaugen.

Wenn man sich solche Gedanken macht, sollte man »eigentlich eine Therapie machen«. Oder alternativ Kolumnen schreiben. Hiermit geschehen. Wieder ein Punkt auf der Haben-Liste.



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Sebastian Klug

Geboren 1980 im bayerischen Fürstenfeldbruck, zwischen ein und zwei Meter groß, ein paar Kilo schwer, farbige Augen und Haare. Während des Überspringens der Pubertät (erster Frauenkontakt mit [..]

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