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30.09.09

Sebastian Klug

Bum Bum Boris oder Wie es der Islamist wahrscheinlich machen wird.

Dass der Islamist die Wiesn anzugreifen im Begriff ist, ist dank der äußerst aufopfernden Berichterstattung der BILD kein Geheimnis mehr. Unklar jedoch ist weiterhin, wie dies geschehen soll.

Nachdem der Sicherheitsgürtel um die Theresienwiese nun bis Garmisch im Süden und Nürnberg im Norden ausgeweitet wurde, patrouillieren in diesem Bereich mit Maschinenpistolen bewaffnete und in schuss- und stichfeste Kampfanzüge gewandete Polizisten, um Terroristen an der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und zugleich Masskrugdiebe am erfolgreichen Abtransport ihrer Trophäe zu hindern. Wie also soll es dem Islamisten gelingen, seinen Islamismus unter das Volk zu bringen? Und welches Volk ist dafür überhaupt geeignet?

Die Lösung der ersten Frage steckt in der Beantwortung der zweiten: Am besten geeignet für eine so geartete Aktion sind Prominente der Klassen A, B und C, eine Zielgruppe (das Wort gewinnt in diesem Kontext eine völlig neue Note), die man zur Wiesnzeit vornehmlich an einem Ort antrifft: Dem legendären Hippodrom, dem Promizelt des Münchner Oktoberfestes. Ebendiese Tatsache ermöglicht es Experten, auch die Art des Anschlags nahezu sicher vorauszusagen: Da alle Taschen beim Eintritt in die Sicherheitszone kontrolliert werden, muss die Bombe direkt am Körper befestigt werden. Der Schlankheitswahn jedoch macht es nahezu unmöglich, dies unentdeckt durchzuführen, und auch die Idee, einer Dame der Gesellschaft einen bombigen Babybauch zu zaubern, wird im Keim erstickt: Wenn eine Schwangerschaft im Raum stünde, wüsste die BILD dies längst – und hätte ihre Daten mit denen der Sicherheitsbehörden abgestimmt.

Einzige Option also ist der Einsatz eines sogenannten »heißen Promis«: Ein Kampfroboter, gefüllt mit Sprengstoff und geschmückt mit dem Antlitz einer Person von öffentlichem Interesse, gelangt ohne Probleme in die Mitte des weltberühmten Festzeltes – und macht die Party auf Knopfdruck unvergesslich. Ideal hierfür wäre in diesem Jahr Boris Becker:

  1. Seit seiner Hüft-OP (BILD berichtete) ist der 41-jährige Tennis- und Sexualprofi momentan auf eine Gehhilfe angewiesen. Somit muss der Kampfroboter mechanisch nicht voll ausgereift sein, eine leicht eckige Gehweise wäre ganz offensichtlich auf Beckers temporäre Behinderung zurückzuführen.
  2. Boris glänzt seit jeher mehr durch Vorhand- denn durch Vortragskunst. Auch die chipgesteuerte Sprachausgabe des Roboters wäre somit nicht überfordert und müsste lediglich für eine umlautorientierte Nutzung optimiert werden (»Äääähhh«).
  3. Durch die Ausstattung seiner Begleiterin mit Atombrüsten wäre auch das Problem des Sprengstoffschmuggels erfolgreich outgesourced und damit gelöst.

Dieses durchaus denkbare Szenario (Operation »Bum Bum Boris«) wird vor allem dadurch noch um einiges brisanter, als dass die bisherige Geheimwaffe der Sicherheitskräfte beim Einsatz eines heißen Promis machtlos ist: Olli Kahn. Ausgehend von einem kugelförmigen Sprengsatz baute man in den vergangenen Jahren auf die geschulten Reflexe von King Kahn, der die Bombe im Angriffsfalle entweder umgehend nach Franken kicken oder sich alternativ mit aller Kraft auf sie werfen und warten würde, bis sie unter seinem gestählten Brustkorb mit einem leisen Pfeifen detonierte. Boris jedoch würde er lediglich mit Handschlag begrüßen – und selbst wenn er an der gummiartigen Hand des Bum Bum Boris erkennen würde, was ihn erwartet: Für einen ganzen Boris ist selbst der Kahn'sche Brustkorb zu klein.

Glücklicherweise rückt ein Faktor dieses Szenario dann doch in weite Ferne: Die Gefahr eines Kollateralschadens. Dauergast auf allen Wiesnevents nämlich ist Roberto Blanco, seines Zeichens der Muezzin des Deutschen Schlagers und damit per defintionem eine Persona non grata des islamistisch orientierten Terrors. Was theoretisch natürlich passieren könnte, wäre ein Angriff mit Roberto Blanco selbst als Überbringer chemischer Kampfstoffe (Operation »Ein bisschen Gas muss sein«).

Aber das ist dann vielleicht auch wirklich an den Haaren herbei gezogen.

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Sebastian Klug

Geboren 1980 im bayerischen Fürstenfeldbruck, zwischen ein und zwei Meter groß, ein paar Kilo schwer, farbige Augen und Haare. Während des Überspringens der Pubertät (erster Frauenkontakt mit [..]

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