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10.01.12

Raymund Krauleidis

DiWuDu: Die Wurst und Du

Die Nation ist in Aufruhr. Vielerorts ist sogar von »Krieg« die Rede! Nein, hier geht es ausnahmsweise einmal nicht um unseren Bundespräsidenten oder die Mailbox von Kai Diekmann – der Stein des Anstoßes ist vielmehr rund und wird für gewöhnlich im Naturdarm serviert ...

Alles begann mit dem aktuellen Werbespot einer deutsch-holländischen Direktbank: Dirk Nowitzki betritt eine Fleischerei, in der man ihn offensichtlich noch aus Kindertagen kennt. Dem geschätzten Alter der beiden Fleischereifachverkäuferinnen zufolge muss hier auch schon Otto von Bismarck eingekauft haben – aber das nur am Rande ... Man reicht dem Basketball-Star ein Stück Wurst und fragt: »Was ham wa früher immer gesagt?«, worauf Nowitzki sichtlich genervt erwidert: «Damit du groß und stark wirst«. Dann steckt er sich die Mini-Wurstscheibe genüsslich in den Mund.

Soweit die kurze Zusammenfassung des skandalösen Werbeclips. »Skandalös« übrigens nicht deshalb, weil der Spot ungefähr halb so lustig ist wie alle bisherigen Weihnachtsansprachen von Christian Wulff zusammen – nein, vielmehr, weil Dirk Nowitzki öffentlich isst. Und zwar Wurst!!! In einer Fleischerei!!!

Seit Tagen tobt deshalb ein Sturm der Entrüstung (neudeutsch: Shitstorm) auf der Facebook-Pinnwand besagter Direktbank: »Tierkonsum vernichtet den Planeten!«, »Absolut geschmacklos!«, »Fleisch essen fördert Hunger auf der Welt!«, »Tiermörder!« – um nur einige harmlosere Beispiele zu nennen ...

Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen Vegetarier, Veganer, Frutarier, Pescetarier oder Freeganer. Und selbstredend auch nichts gegen Vegetarierinnen, Veganerinnen, Frutarierinnen, Pescetarierinnen oder Freeganerinnen. Dennoch würde ich an dieser Stelle gerne Klarheit schaffen – auch wenn es den einen oder anderen Leser womöglich tierisch schmerzt: Fleischereien verkaufen seit jeher Fleisch. Und Wurst. Somit erschiene es dem Zuschauer tendenziell eher befremdlich, wenn Herr Nowitzki von den ergrauten Fleischereifachverkäuferinnen plötzlich eine Stange Sellerie gereicht bekäme.

Natürlich kann man sich an dieser Stelle fragen, was ein Stück gepökeltes Schweinefleisch denn überhaupt mit einer Direktbank zu tun hat. Ungefähr genau so viel wie Damenhygieneartikel mit blauer Flüssigkeit. Oder ein Inuit mit einem deutschen Sportwagen. Oder Verona Pooth mit einer qualifizierten Auskunft.

Vielleicht sollte man Werbung deshalb künftig ganz verbieten und das laufende Programm zu Zwecken der Befriedigung körperlicher Bedürfnisse alternativ durch Einblendungen lustiger Obst und Gemüsebilder unterbrechen – akustisch untermalt von Kai Diekmanns Mailbox.

Mir wäre das jedenfalls ziemlich Banane ...

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Raymund Krauleidis

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