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21.02.08

Raymund Krauleidis

Zum Jahr der Mathematik

Heute Morgen wurde ich durch eine Werbetafel an einer S-Bahn-Station irgendwo in Stuttgart dezent darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns soeben mitten im »Jahr der Mathematik« befinden. »Du kannst mehr Mathe als Du denkst«, klärte man mich auf.

»Will ich gar nicht« – so mein erster Gedanke. Mathematiker gelten nämlich landläufig als verschroben und nicht wirklich lebensfähig. Eigentlich seltsam: wer einigermaßen gut mit Buchstaben umgehen kann, ist unweigerlich ein kreativer Kopf. Nennt man hingegen eine gewisse Affinität zu Zahlen sein Eigen, gilt man als rentierpullitragender Spinner, der lieber über Kurven diskutiert als mit anderen Menschen.

Ich spiele kurz mit dem Gedanken, die beiden Welten in einem waghalsigen Experiment zu verschmelzen und eine Kolumne zu verfassen, die statt Buchstaben ausschließlich aus Zahlen besteht. Aber irgendwie will mir auf Anhieb nichts wirklich Komisches dazu einfallen. Könnten Sie etwa über so etwas wie »345346 + 876543 = 1105² - 864« lachen? Ich ehrlich gesagt auch nicht! Mathematik ist eben nicht lustig und selbst den spitzbärtigen Graf Zahl aus der Sesamstraße fand ich seinerzeit irgendwie doof. Und aus welchem Grund sollte ich mir bitteschön eine »5« kaufen, wenn ich für das selbe Geld ein »E« beim Glücksrad bekomme?

Zuhause angekommen öffne ich mir erst einmal ein Bier. Nebenher setze ich mir den mp3-Player auf und fahre mein Laptop hoch. »Mathe«, resümiere ich währenddessen das Ergebnis meines gedanklichen Exkurses, »braucht doch in Zeiten von Excel wirklich kein Mensch!« Und dennoch werden wir im Alltag allenthalben von dämlichen Zahlen verfolgt.

So weiß beispielsweise jede Null, dass man auf einem Bein tendenziell eher schlecht steht und dass der, der zwei hat, demjenigen eins abgeben soll, der keins hat – was einen, wenn man von Beinen spricht, jedoch in eine klassische Zwickmühle bringen kann.

Vielleicht sind gerade deshalb aller guten Dinge Drei. Trotz der Tatsache, dass eigentlich Vier gewinnt. Man sollte eben ab und zu Fünfe gerade sein lassen und nicht gleich im Sechseck springen, wenn einem das mathematisch nicht gelingen will. Schließlich zählt Zahlen-Legasthenie nicht wirklich zu den sieben Todsünden.

Am besten, man gibt auf sich Acht und treibt Sport. Beispielsweise Kegeln. Wer nämlich alle Neune abräumt, kann sich an allen zehn Fingern abzählen, dass seine elf Freunde vor Neid erblassen werden. Also einfach mal wieder voll auf die Zwölf – jedoch nicht unbedingt an einem Freitag den 13.!

Zur Vierzehn will mir auf Anhieb allerdings nichts mehr einfallen. Mit ein paar Bier mehr sehe ich die sieben Zwerge in Nachbars Garten jedoch bestimmt auch irgendwann doppelt. Man kann tatsächlich mehr Mathe als man eigentlich denkt. In diesem Sinne: Hoch die Gläser und ein »Prosit« auf das Jahr der Mathematik!

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Foto: Raymund Krauleidis

Raymund Krauleidis

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