Es begab sich aber zu der Zeit, als Ihre Majestät Elisabeth II. ihr 60. Thronjubiläum beging, dass ich eingeladen ward zu einer Hochzeit im Lande ihrer Majestät. Ein Schulfreund hatte sich eine schottische Farmerstochter geangelt, die er am Jubilee-Weekend heiraten wollte. Nun hielt ich bislang nichts von der Monarchie, denn wenn man sich schon regieren lassen muss (was m.E. noch nicht ausdiskutiert ist), dann doch bitte als Bürger und nicht als Untertan. «Von Gottes Gnaden» – Pah! Doch jetzt habe ich in Schottland entdeckt, dass Monarchen eben auch ihre Vorzüge haben.
Die Hochzeit fand auf einem Landsitz aus dem 18. Jahrhundert statt; der Blick reichte über grüne Hügel hinweg bis zu den Klippen der Nordsee. Durch ein Rosenspalier gelangte man in einen von Rhododendren und Bruchsteinmauern umgrenzten Garten mit Brunnen und Bänken im Schatten uralter Eichen. Auf dem Rasen servierten Bedienstete in Smokingjacken Champagner; die Herren trugen Cutaway und Zylinder, die Damen seidene Kostüme und federgeschmückte Hüte – kurz: Es sah aus wie in Ascott.
Offensichtlich nagen die Schwiegereltern meines Freundes nicht am Hungertuch, doch allein das Geld kann das anachronistische Gespür für Stil und Etikette, das diese Atmosphäre prägte, nicht erklären. Erst, als ein Mädchen vor dem Porträt der Königin (ironisch) knickste, begriff ich: Das hier war die Imitation einer glamourösen Gartenparty im Buckingham Palace; eine Zeremonie in der Tradition der höfischen Adelskultur. In Deutschland, wo die Bürger ihre Fürsten aus dem Land jagen mussten, ist diese Tradition längst tot; in Großbritannien, wo Parlament und Monarchie einander kaum im Wege standen, ist sie bis heute lebendig – und machte mir, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, Spaß wie Bolle.
Nun ist eine Königin objektiv so nutzlos wie ein Bundespräsident; außerdem ist sie mit ihren Lakaien, Paradekutschen und Garde-Regimentern auch noch wesentlich teurer im Unterhalt. Andererseits hat ein Gartenfest mit Joachim Gauck soviel Grandezza wie die Stapelstühle eines evangelischen Gemeindezentrums, und der Stil eines Christian Wulff reicht höchstens für den Partykeller im Vorstadt-Reihenhaus – ich sage nur: »Die Gaube des Grauens« (Bauwelt). Wer also mal wieder eine echte Ballnacht mit Frack und Zylinder erleben will, kommt um die Wiedereinführung der Monarchie leider nicht herum. Es müssen ja keine Hohenzollern sein – die sollte man sicherheitshalber nicht in die Nähe einer Krone lassen –, aber irgendwem aus der gelangweilten Reihe britischer Thron-Prätendenten könnte man den Job doch anbieten. Das Berliner Stadtschloss wird ja ohnehin gerade wieder aufgebaut.