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02.06.08

Michael Meyn

What's up? – Was ist oben?

Eine meiner größten Sorgen ist, dass ich – je länger ich hier in den Staaten wohne – irgendwann einmal amerikanisiertes Deutsch sprechen könnte. Oder noch schlimmer: ich höre mich an wie Siegfried und Roy. Gerade Siegfried kann man überhaupt nicht mehr verstehen, weder auf englisch noch auf deutsch. Mein ehemaliger Arbeitgeber pflegte mit ihm gelegentlich in den Urlaub zu fahren, und seinen Berichten zufolge haben sie sich vorwiegend per Handzeichen unterhalten. Das finde ich sehr traurig.
Naja, selbst wenn ich bald nur noch Babel-Fish-Deutsch beherrschen sollte, meine Beiträge für kolumnen.de würden davon nicht betroffen sein. – Moment mal eben, ich habe eine Augenlasche irgendwo unter meinem linken Augenball festsitzen. Bin gleich wieder da.

So, es geht wieder. Allerdings habe ich jetzt total den Zug des Gedankens verloren. Wodrum wollte ich schreiben? Es muss diese wahnsinnige Hitze hier in Las Vegas sein. Alles vergisst man. Mir machen die inzwischen hochsommerlichen Temperaturen schwer zu schaffen. Ich leide nun schon seit einiger Zeit unter starker Migräne. Ein stechender Schmerz, direkt hinter meinem Vorderkopf. Es fährt mich verrückt.

Bei dem Weg, mir tun seit einem knappen Jahr die Kniekappen weh, das ist nicht mehr schön. Irgendeine Entzündung, oder so. Beim letzten Arztbesuch sagte dieser: »It will go away. You just have to be patient.« Smartarsch! Bin ich doch schon. Und zwar bei ihm! Er speiste mich mit einer Präskription für irgendeine Droge ab und trat mich mehr oder weniger raus. Von den Drogen war ich zu gesteinigt, um zu arbeiten, darum warf ich sie schnell in die Müllkanne.

Vielleicht liegt's auch an meinem Obergewicht, dass der Heilprozess so kriechend voran geht. Wenn Leute Bilder von mir nehmen, sauge ich schon immer den Bauch ein oder stelle mich ganz weit weg von der Kamera. Auf die Skala gehe ich schon lange nicht mehr. Ja, ich weiß, ich sollte sehen, was ich esse. Zumindest die Creme könnte ich aus dem Kaffee lassen. Und weniger roten Wein trinken. Es schreibt sich auch viel besser, wenn man nicht getrunken ist, besonders wenn man mit nur zwei Fingers auf dem Schlüsselbrett tippt.

Ach, jetzt wurschtelt mein Rippchen auch noch mit dem Vakuumreiniger unter meinem Schreibtisch herum. Kann sie das nicht erstmal im Bettraum machen oder die Blumen wässern? Wie soll man da fokussieren? – Mir ist es immer noch nicht eingefallen. War es wirklich Siegfried und Roy oder sollte dies nur ein steppender Stein zum eigentlichen Thema sein? Es wird schon zu mir kommen ...

Letztes Wochenende waren wir übrigens an der Titanic-Exhibition im Hotel Tropicana. Unser Auto hatte einen flachen Reifen, daher mussten wir mit dem Bus reiten. Der Ritt war ziemlich anstrengend (die Luftkondition im Bus arbeitete nicht), aber es hatte sich gelohnt. Große Exhibition! Sehr extragewöhnlich. Und für Nevada Residenten gab's sogar einen Preisnachlass. Ich musste nur meine Treiberlizenz zeigen. In Amerika identifizieren sich alle mit ihrer Treiberlizenz, so wie ihr in Deutschland mit eurem persönlichen Ausweis. So klein wie eine Kreditkarte und passt perfekt ins Portmo... Portoma... Portman... in den Beutel mit Geld. Nach der Exhibition sind wir dann mit dem Taxi nach Hause geritten. War gar nicht so teuer. 15 Dollar, plus drei Dollar Hinweis für den Treiber ...

Ich gehe wahnsinnig. Ich kann zum Verrecken nicht mehr daran denken wodrum ich schreiben wollte. Ich weiß jemand, dem kommen die besten Ideen, wenn er sich die Zähne bürstet. Soll ich das mal einen Versuch geben? Ich bürste mir meine Zähne ja immer in der Schauer. Ich weiß sonst niemand, der das macht. Es ist eine eigene Art von mir.

Ich könnte auch ein wenig mehr über meine Akzentangst schreiben, wobei ich da zuerst einen ordentlichen Gehirnsturm machen müsste. Das würde mich bestimmt eine gute Stunde nehmen. Aber wenn ich real da drum denke, wovor sollte ich das machen? Da ist nichts falsch mit meinem Deutsch. Nach allem, mein Rippchen und ich sprechen deutsch am Zuhause. Und sie macht eine Beweislesung jedeswegs, bevor ich meine Beiträge online lege. Da ist kein Weg, dass euch Lesern mein schlechtes Deutsch anfällt. Dervor haue ich mich dadrüber nicht ab. Ich nehm's einfach und sorge mich nicht. –
Mutter aller Ärsche, schon wieder eine Augenlasche! Ich werde zurück sein.

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Michael Meyn

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