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10.11.06

Michael Meyn

Game over, Schnuckie!

»Willst du nicht endlich aufstehen?«

»Nein!«

»Du liegst schon seit drei Tagen im Bett! So langsam wird es Zeit, dass du die verlorenen Wahlen hinter dich bringst. Das Leben geht weiter.«

»Sei doch jetzt bitte nicht so naiv! Das Leben geht nicht mehr weiter. Es ist aus und vorbei! Game over, Schnuckie!«

»Rutsch mal rüber. Ich leg' mich zu dir.«

»Du brauchst gar nicht versuchen, mich zu trösten. Es ist zwecklos.«

»Was ist aus deinem fröhlichen Optimismus geworden?«

»Blöde Frage! Den habe ich selbstverständlich abgelegt. ›Positive thinking‹ bringt einen Pessimisten zu leicht aus dem Konzept.«

»Ach, Schatz. Es ist alles halb so wild. Du kennst doch das wunderschöne Sprichwort: Wenn Gott eine Tür schließt, hält er immer ein Fensterchen für dich geöffnet.«

»Ja sicher, damit ich mich in den Tod stürzen kann! Rumsfeld ist schon gesprungen. Und das ist erst der Anfang. Andere werden folgen!«

»Schwarzmalerei bringt einen da nicht wei..«

»Wie die Dummiekraten das bloß geschafft haben, möchte ich wissen. Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenquote ist auf einem Rekordtief, die Steuern sind hübsch niedrig. Ich verstehe es einfach nicht.«

»Ganz so dummie scheinen sie dann wohl doch nicht zu sein.«

»Gerissen sind sie! Gerissen, hinterhältig und gemein! Verlogen, arrogant und zum Erbrechen klugscheißerhaft!«

»Muss es nicht klugscheißerisch heißen?«

»Ha! Haben sie dich also auch schon erwischt. Geh' weg von mir!«

»Komm, wir kuscheln.«

»Nix! Es wird nicht mehr gekuschelt.«

»Aber warum denn nicht?«

»Glaubst du, George knuddelt gerade seine Laura? Ich wette mit dir, der Mann läuft seit Dienstag Abend mit einer Zyankalikapsel im Mund durch Washington. Dem geht's nämlich auch bald an den Kragen.«

»Liegt wohl alles am Irakkrieg.«

»Bring mich nicht auf die Palme! Der Krieg gegen den Irak ist schon lange vorbei. Er dauerte nur ein paar Wochen. Was dort zur Zeit stattfindet, ist der Krieg gegen den Terrorismus. Wer das nicht kapiert, ...«

»... wählt die Demokraten?«

»Ganz genau, Schnuckie! Die elenden Dummiekraten!«

»Vielleicht sieht's bei den nächsten Wahlen wieder ro..«

»Hinterfotziges Mistpack! Von Wahlbetrug hörst und liest du nichts und nirgends etwas. Komisch, oder? Plötzlich funktionieren die Wahlautomaten töfte wie nie zuvor. Ich könnte platzen vor Wut!«

»Aber ...«

»Harry Reid ist Senate Majority Leader! Harry Reid!!! Nancy Pelosi, Speaker of the House. Unfassbar! Jetzt will sie sich mit Bush zusammensetzen und wichtige Themen besprechen. Da würde ich schon aus Reflex auf die Kapsel beißen. Die Trulla kommt doch auf einem Besen zur Arbeit geflogen!«

»M..«

»Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?«

»Mensch, nun beruhige dich doch mal!«

»Geht nicht. Mein Puls misst vierstellig, das kann ich dir garantieren.«

»Du musst dich ablenken. Schreib' doch mal wieder etwas Lustiges. Eine Rippchengeschichte.«

»Machst du Witze? Das Einzige, was ich noch schreiben werde, ist mein Abschiedsbrief, bevor ich durch Gottes Fensterchen hechte. Eine lustige Rippchengeschichte. Dass ich nicht lache! Soll ich die mir aus der Nase ziehen? Keinen vernünftigen Satz würde ich zustande bringen.«

»Na gut, aber im Bett bleiben kannst du nicht.«

»Ach, Schnuckie, ich weiß, dass du es nur gut mit mir ... Psst!«

»Was ist los?«

»Hörst du das?«

»Was denn?«

»Da! Hörst du's? Old Europe lacht mich aus ...«



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Michael Meyn

Geboren wurde er irgendwo in Oberhausen, und zwar am 11.11.1968. Berichten seiner Mutter zufolge begann Michael im zarten Alter von drei Jahren, die Tapeten seines Kinderzimmers mit Fäkalien zu [..]

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