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03.04.07

Antoine Monot, Jr.

Frauen, keine meine Logik oder
warum mein Mond im Arsch ist

Vielleicht ist das ja alles auch nur meinem Sternzeichen zuzuschreiben? Vielleicht aber auch der Tatsache, dass es einfach einen Unterschied gibt zwischen Mann und Frau. Nehmen wir, als rein fiktives Beispiel (natürlich), die elektrische Zahnbürste. Warum putzt sich Madame jeden Morgen damit die Zähne, hält den Bürstenkopf dann kurz unter Wasser und steckt sie zurück? Das Ergebnis ist diese Soße auf dem Aufladeteil, wo man die Zahnbürste draufsteckt. Diese hässliche braune Soße, die, je nach Farbe der Zahnpasta, auch noch schlimmer aussehen kann. Und wer kratzt und putzt dann? Ich, selbstverfreilich.

Ich habe es mehrmals versucht. Auf die gute und freundliche, auf die energische, auf die genervte Tour. Nada, njet. Was ist da los? Ist es so schwer, die Zahnbürste auszuspülen, den Kopf herunter zu nehmen, ihn von innen und außen sauber zu machen? Mit der Hand kurz über den Nobbel zu fahren, wo ich sie aufstecke? Wo ist das Problem, verdammt?

Oder nehmen wir die Bücher und DVDs. Warum kann man die nicht einfach wieder zurück in die Hülle stecken und dort ins Regal, wo man sie, also sie sie herausgeholt hat? Das Ergebnis ist doch dann jedes Mal dies, dass ich einen Roman deutscher Abstammung unter den Lexika suchen kann, anstatt oben rechts, wo er immer stand: bei der modernen deutschen Literatur.

Nicht dass ich der ordentlichste Mensch auf der Welt bin. Gott bewahre (und vor allem ich selber bewahre mich davor sehr gut). Aber hier geht es doch um die Grundregeln des alltäglichen Dschungels, um zu überleben. Hier geht es nicht um Sauberkeit, auch vordergründig nicht um Ordnung. Es geht ums System. Um die Wahrung unserer Systematiken.

Ist es so schwer, die Gutscheine des Pizza-Lieferdienstes in die Schublade mit den Gutscheinen zu legen? Nein? Warum kann ich sie dann regelmäßig im Bücherregal suchen und manchmal bei den Mänteln finden?

Oder Aufladegeräte? Es geht hier doch nur um die einfachsten, alltäglichen Grundregeln. Keiner redet von Kür. Davon sind wir weit entfernt. Aber wenn ich sie darauf anspreche, freundlich und charmant, ist das Donnerwetter vorprogrammiert. Es könne doch nicht angehen, dass ich so kleinlich sei. Kleinlich? Ich werde wahnsinnig. Es könne ferner auch nicht angehen, dass ich die schöne Stimmung ruiniere mit einer Zahnbürsten-Putzregelung.

Und sehen Sie, das ist eben das Missverständnis. Während ich davon ausgehe, dass sie die gute Stimmung durch’s nicht saubermachen kaputtmacht, setzt sie eben in der Kette des alltäglichen Wahnsinns etwas später ein.

Verbal bin ich wirklich nicht auf den Kopf gefallen (auch wenn es so aussieht). Aber versuchen Sie nie, mit meiner Frau zu streiten. Warum? Weil am Schluss immer sie Recht hat. Ich gebe auf. Gerne würde ich ihre Argumente hier verewigen. Leider ergeben sie in dem Moment, in dem ich sie höre, unglaublich viel Sinn. Aber wenn ich sie dann später meinem besten Freund erzählen möchte, muss ich feststellen, dass ich es nicht mehr zusammen kriege. Dass plötzlich alles keinen Sinn mehr ergibt. Das ist ein tödlicher Lauf im Hamsterrad.

Eine Freundin fragte mich letztens, was ich von Sternzeichen sei. Krebs, war meine wahrheitsgetreue Antwort. Sie verdrehte ganz unmerklich die Augen und erklärte mir, dass sie mal mit einem Krebs zusammen war und der ihr sogar erklären wollte, wie man die Zahnbürste sauber machen solle. Wahnsinn, oder? Ich schwieg bedrückt und zog mich in meinen Panzer zurück. Seitdem habe ich aufgehört zu sprechen und denke sehr viel nach. Vielleicht liegt alles nur an meinem Mond, der im Arsch ist, oder Jupiter, der gar kein Planet mehr sein darf. Oder vielleicht doch an der besten Frau der Welt, die ich über alles liebe? Ich weiß es nicht.

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Foto: Antoine Monot, Jr.

Antoine Monot, Jr.

Der Schweizer Antoine Monot, Jr. wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung zum Regisseur an der Theaterhochschule Zürich übernahm Monot, Jr. mehrere PR-Mandate für Theatergruppen [..]

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