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11.01.06

Antoine Monot, Jr.

Trennung

Das neue Jahr hat so ein bisschen begonnen und vom alten hat man sich noch nicht so ganz getrennt. Oft schreibt man noch die falsche Jahreszahl, verplappert sich beim Reden.

Dabei ist jede Trennung doch immer ein Neuanfang. Denkt man. Sagen die. Zuallererst ist Trennung – Trennung. Punkt. Du stehst vor ihr. Sie sagt dir, sie wisse nichts mehr mit dir anzufangen. Denkt, sie wäre nur aus Mitleid mit dir und nun gegen dich. Du knüpfst deinen Trenchcoat zu. Schaust ihr in die Augen, schlägst den Kragen hoch (und abgesehen davon kommst du dir vor wie dieser Privatdetektiv aus deinem Fernseher, der im peitschenden Regen einen Mann im Kopf hat, der ständig Sachen zu uns sagt) und vermisst etwas. Aber was. Was fehlt? Fehlt sie dir schon? Ist es das? Sie, oder du, bist doch noch gar nicht weg. Oder ist es das Wissen, dass man sich nicht mehr hat, was das Fehlen auslöst? Oder fehlt schlicht und einfach nur die Voice-Over-Stimme, die sagt: »Draußen regnet es. Ich muss sie verlassen, ich schaue in ihre rehbraunen Augen, und es fällt mir verdammt schwer«.

Dabei verlässt sie doch gerade mich.

Und dann gehst du raus. Es ist kalt. Der Regen peitscht – eigentlich nicht und letztlich ist es für diese Jahreszeit auch viel zu warm. Die Voice-Over-Stimme, die ich noch nie vernahm, lässt auch jetzt nichts von sich hören, und an der Hotelrezeption schreibe ich das falsche Datum auf das Anmeldeformular.

So ist es also, das neue Jahr. Unbarmherzig und pisswarm.

Um es mit Eins, Zwo zu halten: Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist.

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