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13.09.05

Antoine Monot, Jr.

Liebes Tagebuch

Wow. Da ist sie also. Die erste Kolumne bei kolumnen.de. Freundlich weist mich der Newsletter auf dieses Erscheinen hin. Ein guter Tag. Wir schreiben den 22.8.2005, meine erste Kolumne ist nun also online. Leicht verwirrt sehe ich im Newsletter, dass eine gewisse Katrin Wiegand mit ihrem »Liebes Tagebuch ...« die Gunst des kolumnen.de-Redakteurs gewonnen hat. Sie steht an erster Stelle. Schnell dem eigenen Link im Newsletter auf die eigene Kolumnenseite gefolgt. Uff. Da ist meine ja. Durchgelesen. Ja. Gut redigiert. Perfekt. Ja, beim selber lesen muss ich schmunzeln. Gut geschrieben. Meine Kolumne. Haha. Will kolumnen.de gerade wieder schließen, entscheide mich dann aber anders. Ha. Dieser Wiegand werde ich es jetzt zeigen. Ich lese ihre Kolumne. Ist sicher um Welten schlechter als meine. Entdecke voller Schrecken auf der Startseite, dass auch dort ihre Kolumne über der meinigen positioniert ist. Schnell lesen und dann mit der Sicherheit, dass sie eine schlechtere Autorin ist als ich, schlafen gehen. Ein Tagebuch. Naja. Ich weiß nicht.

Ich überfliege die ersten Sätze. Jaaa. Mhm. Gar nicht schlecht. Verdammt. Jetzt musste ich doch tatsächlich lachen. So etwas darf mir in Zukunft nicht mehr passieren. Weiter lesen. Aha. Da. Jetzt hab ich sie. Erinnert mich an Bridget Jones. Weiter lesen... jaaa. Ist schon ein eigener Stil. Verdammt. Die ist ja wirklich lustig. Großer Lacher. Oh nein. Schnell die Biografie von der Wiegand angeschaut. Ebenfalls gut geschrieben. Witzig, verhalten. So wie die Kolumne selbst. Böse und eigen. Versinke in eine tiefe Depression. Überlege mir, ob ich ihr einen Leserbrief schreiben soll, unter falschem Namen. Mhm. Nein. Wenn, dann unter meinem richtigen. Überlege mir, ob ich ihr meine Bewunderung aussprechen soll oder sie aufs Übelste beleidigen. Bin mir noch nicht ganz sicher. Der beleidigende Leserbrief klingt verlockend. Aber womit kann ich sie beleidigen?

Das Tagebuch erneut gelesen. Irgend eine Schwachstelle wird sich doch finden lassen. Nein. Verdammt. Sie hat eine witzige, gute und intelligente Kolumne geschrieben. Überlege mir, ob ich meine (aus Protest sozusagen) zurückziehen soll. Setze den Brief an den zuständigen Chefredakteur von kolumnen.de auf. Ist auch affig. Halt. Stopp. Ich schlage sie mit ihren eigenen Mitteln. Werde jetzt noch lustiger als sie. Setze mich sogleich dran und schreibe eine Kolumne. Eine, die sich gewaschen hat. Mhm... Überleg. Kau auf Bleistift. OK. Vielleicht nicht heute. Entscheide mich, erstmal abzuwarten. Vielleicht fällt ja schon die nächste flacher aus. Das Niveau kann die unmöglich halten. So. Soll sie doch ruhig kommen, die Wiegand. Ich bin gewappnet. Liebes Tagebuch, Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist. Pah.

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Antoine Monot, Jr.

Der Schweizer Antoine Monot, Jr. wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung zum Regisseur an der Theaterhochschule Zürich übernahm Monot, Jr. mehrere PR-Mandate für Theatergruppen [..]

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