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21.05.08

Antoine Monot, Jr.

Wie war dein Tag heute, Schatz?

Die klassische Fragestellung. Wie war dein Tag heute, Schatz? Wenn in einer Beziehung der Ehemann auf Durchzug stellt und das über sich ergehen lässt, ist alles schon schön eingespielt. »Wie war dein Tag denn heute?« habe ich aber, ganz unschuldig, meiner besten Freundin gestellt. Einfach so. Fragen Sie beste Freundinnen nie, wie der heutige Tag war. Auf jeden Fall nicht, wenn sie nicht nur beste Freundinnen, sondern auch Mütter sind. Als kinderloser Single überlegt man sich das alles sonst noch mal. So sah die Antwort aus:

»Den Keller weiter aufgeräumt, da am Wochenende Paulas Möbel abgeholt werden. Wir haben um Ostern den kompletten Umbau der Kinderzimmer von Lara und Lea vorgenommen – und jetzt ist Paula dran. Lara hat ein rosa Zimmer, Lea ein terrafarbenes Zimmer und Paula möchte nun ein lindgrünes Zimmer – gut, dass ich nur drei Kinder habe.

Zwischendurch habe ich Wäsche gewaschen, in den Trockner gesteckt, verräumt und wieder gewaschen und getrocknet und und und.

Zwischendrin hatte ich ein Eier- und Schinken-Frühstück und ein Eier- und Schinken-Mittagesssen, in der Früh selbstverständlich auch einen Café mit aufgeschäumter Milch – allerdings hausgemacht und nicht wie bei dir von Starbucks.

Dann versuche ich gerade in meinem Büro, das nicht wirklich nach Büro aussieht, einigermaßen klar Schiff zu machen, so dass es wieder nach Büro aussieht. Papierberge sortieren, einordnen, Rechnungen bezahlen, Staubwischen und und und.

Nebenbei habe ich heute mindestens achtmal schlimme Streitigkeiten schlichten müssen. Lea sagte heute zu Lara: ›Ich zähle jetzt bis 3! 1 – 2 – 4 – und die letzte Zahl heißt drei!‹ Süß, oder? Neulich teilte sie mir mit, dass sie sich jetzt eine andere Welt suchen würde – das fand ich wiederum sehr spannend ...

Paula berichtete von ihrer Biologie-Vier und meinte, es sei aber alles wunderbar, denn sie stünde noch auf einer Zwei und, und, und überhaupt waren alle anderen viel schlechter und es war ein Tag vor der Mathe-Schulaufgabe, und ich bin sowieso schuld daran, weil sie soviel Mathe lernen muss, obwohl sie bereits alles konnte ...

Eine Freundin fühlte sich aufgrund einer Bemerkung gestern auf den Schlips getreten, eigentlich sogar angegriffen und nahm dies aber gestern mit ins Bett, um es dann heute zu besprechen – so etwas liebe ich ja ... Aber das ist nun auch wieder alles geklärt und die Welt scheint in Ordnung zu sein.

Meine Mutter wollte unbedingt, wenn sie am Montag kommt, ihren Führerschein von mir aus irgendwohin mailen, worauf ich ihr erklären musste, dass das nicht so einfach geht, den müsste man scannen und das kann ich nicht – klasse Gespräche, wenn sich der Computer-Laie mit einem Computer-Deppen unterhält ...

Jetzt gibt es gleich Essen und dann müssen die Kleinen ins Bett – das dauert immer.

Du siehst also, nicht soo viel zu tun.«

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Foto: Antoine Monot, Jr.

Antoine Monot, Jr.

Der Schweizer Antoine Monot, Jr. wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung zum Regisseur an der Theaterhochschule Zürich übernahm Monot, Jr. mehrere PR-Mandate für Theatergruppen [..]

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