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22.08.05

Antoine Monot, Jr.

Frauen abkriegen

Wie soll man heutzutage eigentlich noch an 'ne Frau rankommen? Lassen wir doch jetzt mal die typische Teeniezeit vorbeigleiten und widmen uns direkt dem Zeitalter, in dem wir uns befinden: Plus minus Dreißig. Klassischerweise beginnt der Alptraum eines Dates so: man lernt eine Frau auf der Arbeit kennen. Die neue Kollegin ist auch wirklich zum Anbeißen. Man lacht viel, hat Spaß, sie legt dir ab und zu ihren Kopf auf deine Schulter, lächelt dich an, streift wie zufällig im vorbeigehen deine Hand. Kurz, nach spätestens drei Tagen habt ihr euch abends zum was-trinken-gehen in eine nicht weit ab gelegene Bar verabredet. Man lacht viel, sie wirft ihr Haar in den Nacken, lächelt dich an und der Abend verläuft so, wie ein solcher Abend verlaufen sollte. Insgeheim ist man Gotts froh, die anmasturbierte Bettwäsche ausgewechselt und das Gröbste in den Müll geschmissen zu haben. (Die Frage lautet ja auch immer: rentiert sich das? Soll ich jetzt wirklich schon aufräumen? Vielleicht wird's ja gar nichts. Vielleicht kommt sie ja gar nicht mit: DANN HAB ICH JA UMSONST GEPUTZT!)

Zurück zu unserem Date. Wir erinnern uns: alles läuft fantastisch. Gerade habt ihr den dritten Drink bestellt, ihr Kopf war wieder kurz auf deiner Schulter, da erwähnt sie: ...mein Freund ist auch so einer... WAAS? Ihr Freund? Und jetzt stellt sich doch die alles entscheidende Frage. Warum hat sie ihn erwähnt? Entweder bist du wieder einfach zu blöd gewesen und du hast all das Schöne, Zukunftsträchtige, das zwischen euch war, von ihr als du-bist-ein-gaaanz-toller-Kollege-und-ein-wirklich-guter-Freund missverstanden, oder sie will dir jetzt signalisieren: Lass uns ein Hotelzimmer nehmen und uns so richtig drannehmen, gegenseitig – es gibt aber kein danach und kein gemeinsames Aufwachen.

Ist es wirklich so, dass Menschen meiner Generation und drüber – wenn nicht schon in festen Händen – auf ewig und immer Single bleiben müssen? Ist der Zug tatsächlich schon abgefahren? Gibt es da eine natürliche Auslese: was noch Single ist an Weiblichem willste eh nich mehr, was noch ansehnlich und wo das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist, befindet sich sowieso schon unter der Haube? Wo soll das denn hinführen? Wenn ihr mich fragt, schnappt euch das, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und lasst gut sein. Schraubt eure Ansprüche runter und haltet die Klappe wenn ihr nicht gefragt werdet. Ich – ich fahr gut damit. In diesem Sinne. Kopf hoch – wenn der Hals auch dreckig ist.

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Foto: Antoine Monot, Jr.

Antoine Monot, Jr.

Der Schweizer Antoine Monot, Jr. wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung zum Regisseur an der Theaterhochschule Zürich übernahm Monot, Jr. mehrere PR-Mandate für Theatergruppen [..]

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