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26.11.07

Antoine Monot, Jr.

Deutsche Telekom oder die Phantom-Rechnungen

Ein letzter, langer Blick zurück. Der Flur wirkt verwaist, die Möbel sind schon vor Tagen abgeholt worden, der Mietvertrag noch für 14 Monate bindend. Einen Nachmieter für das Büro – nicht gefunden. Da gestern der Strom abgestellt wurde und der lange Flur keine Fenster hat, ist nicht mehr all zu viel zu erkennen. Der Kabelanschluss wurde plombiert und der Herr von der Telekom hat seinen Termin natürlich nicht eingehalten.

Die Kündigung war schon ein Kreuz. Drei Faxe, zwei eingeschriebene Briefe (mit Rückschein) – und die Hotline behauptet steif und fest »eine Kündigung ist bei uns nicht eingegangen«. Aber ich habe den Rückschein hier, der besagt, dass irgendjemand bei der Deutschen Telekom die Kündigung erhalten hat. »Das kann nicht sein«, war die Antwort. Mhm ... ich sehe ihn aber, er liegt vor mir in meiner linken Hand und da steht das schwarz auf weiß. Ob denn die Post lüge und wohl diesen Zettel, den man gemeinhin Rückschein nennt, gefälscht habe, will ich von ihr wissen. Das könne sie nicht sagen, da sie nicht bei der Post arbeite und auch niemanden kenne, der das tut. Zutrauen würde sie es denen allerdings schon.

Ich schloss kurz die Augen. Das Gespräch verselbstständigte sich in eine Richtung, in die ich nie wollte. Ich sammelte meine Gedanken. Was ich denn jetzt tun solle? »Am besten kündigen Sie mal«. Oh Mann, das habe ich doch schon. »Wie wäre es, wenn ich Ihnen den Rückschein schicke, natürlich in Kopie?«. »Kopien«, war die kurze und prompte Antwort, »Kopien können wir nicht akzeptieren«. »Ja aber wenn ich Ihnen den Rückschein im Original schicke und sie den nachher auch nicht erhalten, dann ...«. »Schicken Sie ihn doch eingeschrieben«. Ich kniff meine beiden Pobacken zusammen um meine Wut beherrschen zu können. Ich würde jetzt doch nicht wirklich einen Rückschein eingeschrieben mit Rückschein schicken. Das ergibt alles keinen Sinn ... Wir verblieben so, dass ich erneut eine Kündigung schicken würde – erneut per Einschreiben mit Rückschein.

Ich ging zu einem Freund, dessen Computer nicht wie meiner in Kisten verpackt war, und schrieb die Kündigung erneut. Als ich dann Wochen später die Bestätigung erhielt, waren von meinem ersten Bestreben zu kündigen bis zur erfolgreichen Bestätigung doch glatt neuneinhalb Wochen vergangen.

Jetzt hatte ich alles in einem Ordner, der unter meinen Arm geklemmt war, blickte zurück in den Flur und schloss die Tür ein letztes Mal ab.

Ich machte es mir zur Gewohnheit, ein- bis zweimal pro Woche im Büro vorbei zu gehen, um die Briefe, die von der Post (trotz laufendem Auftrag) nicht weitergeleitet wurden, abzuholen. Neun Wochen, nachdem ich das Büro das letzte Mal von innen gesehen hatte, staunte ich nicht schlecht, als ich einen Brief der Deutschen Telekom in der Hand hielt. Der sah so aus, wie Rechnungen immer aussehen. Ich machte ihn auf und tatsächlich lag vor mir eine Rechnung mit Einzelgesprächsnachweisen. Nicht viel, aber für 57 Euro 30 wollte die Deutsche Telekom Gespräche verrechnen. Der Anschluss war aber gekündigt!? Was tun?

Ich zückte mein Handy und nahm die Aufgabe ernst und gefasst an. Ich rief bei der Hotline der Deutschen Telekom an, nannte meine Kundennummer und erklärte, was mich so verwirrte. »Aber wenn Sie telefonieren, ist es doch normal, dass Sie eine Rechnung von uns erhalten«. »Ja,« sagte ich beherrscht freundlich, »wenn ich telefoniere, dann sicherlich, aber wissen Sie, der Anschluss ist offiziell gekündigt und das wurde von Ihnen sogar schriftlich bestätigt«. »Moment«. Ich wurde auf eine Warteschleife gelegt und war froh, dass sich das Missverständnis jetzt auflösen würde. Nach dem vierten Mal in Schleife »Ihr Anruf ist uns wichtig. Bitte bleiben Sie dran« kam sie wieder. »Haben Sie denn eine Kündigung geschickt?«. Ich schluckte – bitte nicht schon wieder. »Ja, ich habe sogar die schriftliche Bestätigung von Ihnen vor mir liegen«. Ich triumphierte innerlich. »Das kann nicht sein. Im Computer steht nichts von einer Kündigung«. »Aber ich habe doch Ihre Bestätigung vor mir liegen«. »Das kann jeder sagen«. »Aber es ist wirklich so«. »Dann schicken Sie diese mal«. Oh Gott. Nein.

Ich will es kurz zusammenfassen. Ich bekam noch die folgenden sieben Monate Rechnungen, und natürlich kam die Bestätigung der Telekom, die ich ihnen zuschickte, nie bei ihnen an. Ich löschte alle Nummern der Telekom aus meinem Handy und warf die Rechnungen einfach weg. Die Mahnungen und Zahlungsaufforderungen der Anwaltskanzlei ebenfalls. Irgendwann dann hörte der Spuk auf. Nach rund neun Monaten war plötzlich Funkstille.



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Der Schweizer Antoine Monot, Jr. wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung zum Regisseur an der Theaterhochschule Zürich übernahm Monot, Jr. mehrere PR-Mandate für Theatergruppen [..]

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