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27.01.07

Antoine Monot, Jr.

Versicherungs-Zahnstocher auf Urlaub

Wie soll der normale, arbeitende Mensch von heute eigentlich noch wissen, was er für eine Versicherung benötigt? Ich stehe an der Spitze unseres Zweiklassen-Systems und habe eine private Krankenversicherung, die so ziemlich jeden Schwachsinn bezahlt, den ich jemals von einem Arzt bekommen möchte (ich achte immer darauf, dass ich pro Monat mehr Arztkosten verursache, als ich Prämie bezahle, so hab ich wenigstens das Gefühl, noch ein Schnäppchen gemacht zu haben). Die Haftpflichtversicherung darf natürlich nicht fehlen, klassischerweise sagt einem das jeder. Ich habe zwar noch nie die »teure, große Schaufensterscheibe« meines Freundes kaputt gemacht, aber zu einem kleinen, aber feinen Versicherungsbetrug (das war die teure Vase eines Kollegen; Ratschiing: 300.- Euro; Halbe-Halbe) reicht's allemal. Dann wird's aber schon wieder komplizierter.

Was nun? Fehlt was? Hab ich irgendwas übersehen? Also wird schnell ein Versicherungsberater nach Hause geholt, der – auf Provisionsbasis lebt und dir alles verkaufen will, da ich das aber im Vorhinein schon weiß, bin ich gut gewappnet – auch gleich seinen Laptop mitgebracht hat. (Der letzte lebende dieser Spezies, der mein Heim betreten hat, hatte den klassischen Mönchsring auf dem Kopf und die Wumme obenrum war bespickt mit einzelnen unter die Haut genähten, künstlichen Haaren. Das sah aus wie Zahnstocher auf All-Inclusive-Urlaub.) Der erzählt mir erstens, dass ich eine Hausratversicherung dringend benötige, inkl. Wasser-, Glas-, Sturm- und Feuerversicherung. Eine Rechtsschutz- ist auch vonnöten und natürlich und sowieso die Arbeitsunfähigkeitsversicherung, nachgelegt wird dann noch mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Lebensversicherung mit Todesschutz sollte jetzt noch schnell abgeschlossen werden, dass die in Zukunft nach zwölf Jahren nicht mehr steuerfrei ist (»Bestandsschutz!!!« Er betont vor allem die drei Ausrufezeichen) und natürlich eine private Pflegeversicherung, da sonst die ganze eigene und angeheiratete Sippschaft dafür aufkommen muss, wenn ich im Pflegefall Dritter nicht mehr dafür aufkommen kann. Diese wird mir dann auch noch für meine und die Schwiegereltern verkauft, damit ich nicht zur Kasse gebeten werde.

Und wumms sitze ich da mit einer monatlichen Belastung von 470 Euro. Abgesichert bin ich jetzt bis unter die Zähne. Überversichert? Gottbewahre! Ich habe noch keine Unfall-, Auslandskranken-, keine Gepäck- und Diebstahl-, keine PKW- und Berufsrechtschutzversicherung inkl. PKW-Abdeckung.

Aber das ist ja alles kein Problem. Neues Jahr – neues Vertreter-Glück! Herzlich Willkommen in meiner Welt...

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Foto: Antoine Monot, Jr.

Antoine Monot, Jr.

Der Schweizer Antoine Monot, Jr. wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung zum Regisseur an der Theaterhochschule Zürich übernahm Monot, Jr. mehrere PR-Mandate für Theatergruppen [..]

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