Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, dann den Menschen, und der erschuf den Grill. Das ist nicht die offizielle Version, aber es kann gar nicht anders gewesen sein, denn der erste Mensch war ein Mann, und ein Mann ohne Grill ist nicht vorstellbar. Ich kenne keinen Grund dafür. Wahrscheinlich teilen alle Männer ein Grill-Gen. Machen Sie mal den Selbstversuch und stellen einen Grill im Garten auf. Fünf Minuten später stehen fünf Männer drumherum und erzählen Ihnen, wie der am besten funktioniert. Oder übernehmen gleich selbst das Kommando.
Ich kann jetzt ein Lied davon singen. Neulich haben wir einen neuen Grill angeschafft. Einen Kugelgrill. Ein findiger Verkäufer hatte uns die Geheimnisse des Grillens in der Kugel nahe gebracht. »Zonengrillen«, schwärmte er mit leuchtenden Augen. »Das Grillgut liegt nicht direkt über der Kohle, sondern daneben. Das Fleisch bekommt nur indirekte Hitze und bleibt ganz zart.« Da wir kulinarisch neugierig veranlagt sind und Pyromanen obendrein, konnten wir nicht widerstehen. Das nächste Gartenfest stand im Zeichen der Grilleinweihung.
Die ersten männlichen Gäste strebten, das frisch gezapfte Bier in der Hand, gleich zu mir und umringten mich. Auf dem Rost lag unser erster Proband, ein Nackensteak, das ich genauso argwöhnisch beäugte wie die Reaktionen meiner Geschlechtsgenossen. Deren Blicke wanderten stumm zwischen den glimmenden Kohlen, dem Steak und dem Bier umher.
»Was ist denn das?« fragte einer.
»Ein Kugelgrill«, antwortete ich einsilbig, aber wahrheitsgemäß und stocherte beiläufig in der Glut herum.
»Das sehe ich. Und warum liegt das Fleisch nicht über der Kohle?«
»Das nennt man Zonengrillen«, dozierte ich. »Das Fleisch bekommt nur indirekte Hitze und bleibt ganz zart.«
Ich wendete das Steak, das sich noch immer rosig auf dem Rost räkelte. Angestrengt horchte ich auf das charakteristische Brutzelgeräusch. Stattdessen glaubte ich Rufe aus der Küche zu vernehmen: Mama, wann gibt’s endlich was zu essen? Gleich Kind, aber nimm dir lieber erst mal ein Stück Brot. Vielleicht bildete ich mir das alles aber auch nur ein. Ich schloss den formschönen Deckel. Der hatte ein Thermometer bis dreihundert Grad.
Keine Täuschung war hingegen mein künftiger Schwager, der gerade um die Hausecke bog und unseren Kreis zielstrebig ansteuerte.
»Was Du da machst, ist eigentlich backen«, erklärte er ohne Umschweife.
»Das nennt man Zonengrillen«, wiederholte ich geduldig.
»Kenne ich«, winkte er ab. »Ist aber 'ne Wissenschaft. Ich hol mir mal ein Bier. Schöner Grill«, rief er mir noch zu und verschwand im Haus.
Der Rest der Runde stierte auf die zitternde Nadel des Thermometers, die schließlich bei hundertzwanzig Grad zur Ruhe kam. Ich nahm den Deckel wieder ab. Das Steak hatte etwa die Farbe eines gut gereiften Mozzarella. Dafür kann ein Schwein nicht gestorben sein, dachte ich bei mir und verteilte die Kohle gleichmäßig unter dem gesamten Rost.
»Was machst du da?«, fragte wer, der schon das zweite Glas Bier in der Hand hielt.
»Zonengrillen«, antwortete ich. »Habe gerade die Zone neu definiert.«
Und so lauschten wir bald dem sonoren Brutzeln eines saftigen Steaks, das auf Holzkohle gegart wird, und alle wurden satt.
Merke: Erfindungen sind nur dann ein Segen für die Menschheit, wenn sie richtig benutzt werden. Und außerdem sind manche davon vielleicht gar keine göttliche Eingebungen, sondern sind uns – im Gegenteil! – von Seinem großen Gegenspieler untergejubelt worden, der sich mit der Hitze viel besser auskennt. Und jetzt fällt mir auch ein, warum der Verkäufer, eigentlich ein Mann von Stand und Geschmack, damals so maliziös kicherte, als er humpelnd in seinem Keller verschwand.