Diese Kolumne lässt sich auch hören!
»WM, WM, wir fahren zur WM!« vorgetragen von Tom Wendt
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Wir haben WM-Karten! Ich, die ich mich an Losbuden regelmäßig in hitziges Herzensammeln hineinsteigere und dann verarmt mit einem rosa Plastiklineal nach Hause komme, wurde unverhofft von Fortuna geküsst und darf zum Achtelfinale nach Köln! Alle Spekulationen über einen eventuell systematischen Ausschluss von Normalfans können an dieser Stelle also beendet werden. Da simmer dabei...
Podolski müsste schießen... Podolski schießt... und... Toor, Toor, Toor... Dann bin ich nicht mehr bloß Papst, sondern Weltmeister!
Und wir haben ja jetzt einen, der das Rasenküssen mindestens so professionell betreibt wie einst Diego Maradona. Der Begriff vom heiligen Rasen bekommt einen ganz neuen Klang. Und ich werde dabei gewesen sein. Habemus Schwein gehabt! Eigentlich will ich gleich los. Wir könnten uns ja schon mal einsingen.
Achtelfinale in Köln also. Mal sehen, wer da kommen kann. Der Erste aus Gruppe G gegen den Zweiten aus Gruppe H. Deutschland geht folglich nicht, weil Gruppe A. Zidane und Figo haben aufgehört, Frankreich und Portugal sind also raus. Tschechien könnte Probleme kriegen, wenn Rosicky und Koller wegen ausstehender BVB-Hypotheken von den Banken als Sicherheit einbehalten werden. Oder vielleicht Otto Rehagel mit dem halben Kader des 1. FC Köln? Südkorea oder Kamerun wären interessant. Dänemark hat uns zwar bei der EM 92 besiegt, aber ich liebe Dünen und Lakritzeis. Oder so was lustiges Kleines, das Günther Netzer abfällig für einen indiskutablen Gegner hält und das uns Waldi Hartmann auf dem Globus zeigt – wie neulich bei den Färöer Inseln. Sicherlich wäre so etwas für die kulturelle Horizonterweiterung ein großer Gewinn. Sprachen lernen in Sprechchören. Mein Wunschkandidat ist aber definitiv die Türkei. Das wäre ja auch irgendwie ein Heimspiel – quasi unser zweites Eisen im Feuer, wenn es mit Kahn nicht klappt. Nicht zuletzt gibt's aus Deutschland fast immer zwölf Punkte beim Grand Prix. Außerdem hat der vorbereitete FC-Anhänger bei Türkeispielen farblich passende Garderobe für die euphorische La Ola in Rot-Weiß. Einfach noch die Hose in die Socken, bisschen was Goldenes – fertig. Am besten gegen die Tulpenknicker oder eine lustvolle Revanche für die letzte WM gegen England. Den Rundes muss in den Eckiges – Und dann ein krasses Sieg, ey weißtu Alta. Beckham weint, es steppt Neukölln, viele Freunde feiern und ich winke Ali vom Döner in die Kamera. Ich finde, falls Deutschland zu dem Zeitpunkt schon raus sein sollte, leihen wir der Türkei Gottes Segen. Da haben wir jetzt schließlich die Hand drauf. Ürbü ät Örbü. Beckenbauer überreicht Erdogan feierlich ein Trikot mit aufgeflocktem »Benedikt« und der Rückennummer 16 als Zeichen der religiösen Freundschaft und zum Abschluss gibt's ein ökumenisches Abendmahl mit Ayran und Falafel im ZDF.
Aber egal was kommt, ich freu mich auf ein frohes Fest um Leibesertüchtigung und friedliches Zusammensein. Und auch wenn es gegen England oder Holland ginge, hätte ich keine Angst um Leib und Leben, denn Otto Schily weiß um die Gefahren. Nach meiner korrekten Anmeldung für die Auslosung weiß er auch meine Personalausweisnummer. Er kennt mich also, will niemand anderen – ich darf meine Karte weder verkaufen noch ohne Komiteegenehmigung tauschen – und folgt mir mit dem neuen RFID-Chip auf meiner WM-Karte auf Schritt und Tritt. Ein gutes Gefühl. So weiß er, wo ich bin und kann mich vor anderen RFID-Chipkartenbesitzern beschützen. Oder die vor mir – je nachdem, welchen Eindruck ich mache. Dabei frage ich mich, ob meine Auswahl bedeutet, dass ich bereits als vertrauenswürdig eingestuft wurde, oder ob die Untersuchung noch folgt und ich meine Ansprüche durch eventuell zu Tage tretende dunkle Geheimnisse wieder verlieren kann. An dieser Stelle also einen schönen Gruß ans Innenministerium: Ich weiß von nichts und denke, ich wasche meine Hände in Unschuld. Falls Ihnen diese Website bei den Recherchen relativ früh begegnet, möchte ich gern guten Willen zeigen und Ihnen einige Anfragen ersparen:
All das mag Sie vielleicht befremden, ist aber gänzlich unbedenklich. Denn zum einen stünde ich als friedliche Geisteswissenschaftlerin vor einem Bauplan für praktikables Terrorwerkzeug ratlos wie die Kuh vorm Berg. Vor allem aber liegt mir jeder Gedanke daran vollkommen fern. Von ganzem Herzen verabscheue ich jede Form von Gewalt und möchte mich nur freuen. Das versichere ich Ihnen und hoffe, wir sehen uns im Juni 2006 in Müngersdorf. Auf ein großartiges Fußballfest der Freunde! Ich werde da sein.