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15.02.09

Bastian Sorge

Grüße von Mama und Heinz

Ich bekomme wirklich selten Post. Deswegen freue ich mich auch über fast alles, was ich in meinem Postkasten finde, und sei es die hundertvierzigste Pizza-Proskriptionsliste in dieser Woche.

Da fällt mir ein: Was ist eigentlich der Postkasten und was ist der Briefkasten? Also das gelbe Teil, das an der Straße steht (nein, nicht der Mann von der Müllabfuhr ...), wie heißt das? Und das unförmige Teil, aus dem ich meine Post heraushole, wie heißt das? Antwort erwünscht.

Ich habe gestern jedenfalls Post bekommen, hurra. Eine Postkarte aus dem Harz war's, genauer aus dem Südharz. Eigenartig, schließlich hält sich dort zur Zeit niemand auf, den ich kenne.

Ein Blick auf die Postkarte bestätigt: Dieses Stück Post ist nicht für mich bestimmt. Es ist nämlich nicht an mich adressiert, auch wenn der glückliche Empfänger eine Familie Sorge ist, der Nachname stimmt also. Die Hausnummer ist ebenfalls korrekt, nur der Straßenname und die Postleitzahl stimmen nicht mit meiner Adresse überein, sind ihr nicht einmal ähnlich. Ich kriege jetzt wohl die Post für alle Sorges, die in Kiel wohnen. Na herzlichen Glückwunsch.

Meiner Verehrung für die Arbeit der Deutschen Post AG habe ich an anderer Stelle schon Ausdruck verliehen. Konsequenterweise werde ich auch als guter Kunde des gelben Konzerns das Postgeheimnis wahren und Ihnen nicht mitteilen, was auf der Postkarte steht. Nur so viel: Familie Sorge wird herzlichst gegrüßt von Mama und Heinz, die im Harz weilen und den Sonnenschein genießen und auch den Schnee. Mama hat schon erfolglos versucht, anzurufen (wahrscheinlich hat sie die falsche Nummer gewählt).

Schön, dass es Mama und Heinz im Harz so gut geht. Da kann man glatt neidisch werden. Mama und Heinz sind wahrscheinlich Früh- oder Spätrentner, die Glücklichen, und machen nun im Harz einen drauf.

Frage: Warum Mama und Heinz? Warum nicht Mama und Papa? Hat Mama etwa wieder geheiratet, nachdem sie sich von Papa getrennt hatte oder er sich von ihr? Das sind Skandale, liebe Leser; Geschichten, wie sie nur das Leben schreibt. Und wenn das Leben sie schreibt, dann schreibt es sie auf eine Postkarte und schickt diese planlos in der Welt herum.

Natürlich könnte diese vermeintlich falsch ausgetragene Postkarte auch eine geheime Nachricht des BND sein und so etwas bedeuten wie: Kommen Sie bei Mondschein zum Bungsberg und halten Sie Ausschau nach einer älteren, fülligen Frau mit Rechtschreibschwäche und dicker Brille und einem glatzköpfigen Mann mit Goldkettchen. Passwort: “Ich habe schon versucht, euch anzurufen”.

Dabei ist es schon so lange her, dass ich für den BND gearbeitet habe ...

Vielleicht schicke ich die Karte doch lieber zurück.

Unwort des Tages: Mama und Heinz.



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