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17.12.08

Bastian Sorge

Einkaufen bei Nacht

Neuerdings kann man ja auch mitten in der Nacht noch einkaufen. Das ist ganz nützlich, wenn man so wie ich völlig fertig von einer Theaterprobe wiederkommt und noch schnell was Giftiges zum Magenfüllen ergattern will (in diesem Falle Lasagne für die Mikrowelle – wie Sie sich denken können, nicht gerade die beste Wahl).

Ganz entspannend gestaltet sich auch der ganze Einkaufsprozess an sich – der Laden ist nicht wie tagsüber gefüllt mit gestressten Menschen, die so aussehen, als ob sie es gerade fürchterlich eilig hätten ... nein, wenn man um 21.30 Uhr einkaufen geht, schauen einen beim Eintreten nur die Mitarbeiterinnen erstaunt an, scheinen zu denken: »Wie, jetzt noch ein Kunde?!«

Darum geht es aber auch gar nicht. Ich fange schon wieder an zu lamentieren. Ich habe jedenfalls eingekauft. Punkt. Und ich werde hier auch nicht ausführen, was. Naja, außer die Lasagne, das wissen Sie ja nun schon.

Ich habe also, nachdem ich für zweieinhalb Kilo Nahrungsmittel 11,83 Euro bezahlt habe, den Laden zähneknirschend wieder verlassen und mich athletisch auf meinen Drahtesel geschwungen. Da kommt mir ein weibliches Wesen entgegen.

Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich sind etwa 50% der Weltbevölkerung Frauen.

Die Frau war in Begleitung eines Hundes. Auch das nicht verwunderlich, schließlich gibt es in Deutschland über fünf Millionen Hunde. Auch die Tatsache, dass der Hund eher wie ein explodierter Wischmopp aussah, störte mich nicht, denn schließlich gibt es wenige Hunde, die nicht so aussehen (oder sich nicht so benehmen).

Im Fell des Mopps befand sich eine mittelgroße Menge Schmutz, die trotz der langsam eintretenden Dämmerung gut zur Geltung kam, denn eigentlich hätte es ein weißer Hund sein sollen. Wie dem auch sei, Hund und Frauchen wollten jedenfalls einkaufen gehen, wobei Hund natürlich draußen bleiben muss, was Hund ja nicht checkt. Also muss man Hund anbinden. Das checkt Hund. Und so stellte sich Hund vor einen zufällig mitten auf dem Parkplatz stehenden Metallzaun und starrte diesen stur an. Wirkte leicht drogenabhängig. Jedenfalls kam nun diese Frau daher, sie mag ungefähr 20 Jahre alt gewesen sein, vielleicht auch etwas älter; diese Frau jedenfalls sprach mit dem Hund. Auch das nicht ungewöhnlich, wahrscheinlich hat diese Frau keinen Freund. Da macht man das dann halt so. Bevor man anfängt, mit seiner Lasagne zu reden ... oder Kolumnen zu schreiben ...

Das, was sie sagte, war der Clou des Abends. Sie sagte also zu diesem schmutzigen, ehemals weißen, explodierten Wischmopp, der bewegungslos vor dem Metallzaun stand und diesen stumpfsinnig anstarrte: »Ach Aphrodite, was hast du denn ...?«

Sie dürfen mich beglückwünschen, denn ich habe erst nach 100 zurückgelegten Metern gelacht.

Aphrodite ist nämlich eine der schönsten Frauen der griechischen Mythlogie. Wenn nicht gar die schönste. Aphrodites größtes Problem ist ihr Name, der nämlich wenn man ihn griechisch korrekt ausspräche in etwa Affrodditäh lauten würde, aber das macht nichts, denn das ist ein generelles Problem der altgriechischen Sprache ...

Egal, jedenfalls sah Affrodditäh bestimmt nicht so aus wie diese schmutzige Flohschleuder. Wie kann man ein Fellknäuel nur Affrodditäh nennen? Das ist ja so, als ob ich meinen Grottenolm im Terrarium »Adonis« nennen würde ... respektlos, so was.

Jedenfalls danke ich Affrodditäh und ihrem Frauchen sehr für das kleine Amusement.

Wie das Frauchen wohl hieß? Oirühdikkäh?

Unwort des Tages: Hund.



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