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07.06.07

Holger Uhlig

Ich will meinen Euro wiederhaben

Es gibt Sachen, die sind so unnütz wie beleuchtete Klobrillen oder G8-Gipfel. Wobei ich mir bei beleuchteten Klobrillen nicht so sicher bin, bei der peinlichen Veranstaltung an der deutschen Küste bin ich mir dagegen absolut sicher.

Für drei Tage Palaver haben sich tausende Menschen und 16.000 Polizisten auf den Weg gemacht. Die einen wollen für Ordnung, die anderen für Unordnung sorgen. Soweit so gut, das hätte man ohne Aufwand organisieren können. Man nehme ein abgeerntetes oder wahlweise gerade gepflügtes Feld, einen großen Haufen Demonstranten und einen kleineren Haufen Polizisten, gebe ihnen drei Tage Zeit, und wer übrig bleibt, hat gewonnen. So aber müssen vorher noch ein kilometerlanger Zaun gezogen, Barrikaden errichtet, Straßen und Strände gesperrt und Bürgerrechte beschnitten werden. Außerdem wird die unbeteiligte Bevölkerung in hochnotpeinlichen Verhören auf den Ausnahmezustand eingestellt. Wer darf wann wohin und warum, war ihr Nachbar bei der RAF oder bei der NVA? Dann müssen noch hunderte Journalisten angekarrt werden, die vom Gipfel berichten. Ein paar Bilder von kloppenden Polizisten und Steine werfenden Spielverderbern sollten doch wohl abfallen, Ehrensache. Weiter werden noch als teures Publikum einige Staatenlenker und deren Entourage eingeflogen. Und die reden dann über den freien Welthandel, über Klimaschutz und die Unterstützung Afrikas und hauen sich mit meinem Geld die Bäuche voll.

Und das kostet richtig. Vorsichtige Schätzer rechnen mit 80-100 Millionen Euro, die dieser ganze Quatsch kosten soll. Das wären also pro Bundesbürger, vom Baby bis zum Greise, etwas mehr als ein Euro. Da ich seit ein paar Jahren nun auch zum Kreise der Steuerzahler gehöre, sage ich mir: Ich habe das nicht verzapft und finde es eine bodenlose Frechheit, meine Steuergelder einfach so zu verprassen. Oder anders: Wer gibt mir meinen Euro wieder? Wen muss ich verklagen, wer hat meinen Euro in solchen Unsinn investiert?

Denn was soll dabei heraus kommen, wenn sich die schlimmsten Klimaverpester an einen Tisch setzten und über das schlechte Klima reden. Was soll dabei herauskommen, wenn über die Armut Afrikas debattiert wird, gleichzeitig aber keine Gelder der Weltbank zur Verfügung gestellt werden. Was soll dabei herauskommen, wenn wir ständig mehr Geld in Agrarsubventionen stecken als in Entwicklungshilfe? Was muss passieren, damit wir nicht weiter südspanische Bauern bei der Verpestung der Umwelt und der Verseuchung der Konsumenten unterstützen? Denn mit subventionierten spanischen Gewächshaustomaten, die billige (meist afrikanische) Arbeiter in Südspanien ernten, können afrikanische Bauern nicht konkurrieren. Oder mit subventionierten Hühnerbeinen aus Holland mit Trockenmilch aus Frankreich oder Deutschland mit Mais aus den USA. Weltweite Agrarsubventionen machen es afrikanischen Bauern unmöglich ihre Produkte mit Gewinn zu verkaufen. Wird sich nach G8 2007 daran etwas ändern – sicher nicht. Das ist wirklich der Gipfel. Der Gipfel in Scheinheiligendamm, wie es Reinhard Mohr in einem wirklich lesenswerten Beitrag bei SPIEGEL ONLINE schrieb. Das trifft es genau. Labern über das Weltklima, aber weiter Öl und Gas als primäre Energiequellen verkaufen, Regenwald abholzen, Meere verpesten, Flüsse vergiften usw. Umweltverschmutzung als Kavaliersdelikt und Armut als hausgemacht darzustellen zeugt von dieser Scheinheiligkeit, die mich nur noch zum Kotzen anrührt. Wohl dem, der etwas zum Kotzen hat, nicht wie 30.000 Kinder, die täglich an Hunger und Elend verrecken. Also wenn wieder mal G8 gespielt werden soll, schickt euch eine E-Mail und überweist die vorgesehene Kohle an eine Aidsstation in Afrika. Das ganze Brimborium, den ihr veranstaltet, hättet ihr euch sparen können.

Denn am Ende wird mit Sicherheit etwas herauskommen was wir gerade noch gebrauchen können bei der auf uns zukommenden Klimakatastrophe: eine Menge heiße Luft.

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Holger Uhlig

Geboren 1968 in einem kleinen Städtchen namens Schleiz im Herzen Thüringens. Nach der Grundausbildung in Marxismus-Leninismus gelang ihm 1989 der Sprung über die damals immerhin schon eine Woche [..]

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